Terra Incognita

Offene Fragen

Noch am Tag ihrer Ankunft konnte man ihnen eine Bleibe anbieten, doch mehr als eine Ansammlung von Holz, eine alte Barracke stellt dies nicht dar. Es tropft, das Dach leckt und die Gruppe war nach einem starken Regenguss bereits durchnässt genug. Da sich keiner seiner Gefährten an dieser Situation zu stören schien beschloss Amir sich der Sache selber anzunehmen und holte Informationen ein und fragte herum, wo man Material finden und die nötigen Handgriffe erfahren könnte. Von Zaid wurde ihnen schnell klar gemacht, dass das Lager durch Regeln regiert ist. Alle Güter, alle Nahrungsmittel, Materialien und Arbeitskraft wird verteilt; wer seinen Anteil will, muss gleichermaßen einen Gegenwert einbringen. Jeder ist auf jeden angewiesen, gerade in dem Lager an der Südspitze, wo viele sich auch viele Kinder und Alte befinden die zweifellos eine Last für alle darstellen. Bei einem Spaziergang durch das Lager wurde schnell klar, dass ein Regelbruch nicht geduldet wird; Männer die in Ketten lagen, sollten ein Mahnmal für jeden Verstoß darstellen.

Während einige seiner Gefährten noch in der abgestandenen Barracke saßen oder das Lager weiter erkundeten, zog Amir los, bedacht darauf, seine Fähigkeiten sinnvoll in der Gemeinschaft einbringen zu können. Der Schmied, ein älterer Mann mit ledriger Haut namens Sorvin, wusste seinen Arbeitswillen zu schätzen und trotz des heißens Wetter schufteten sie an der Schmiede für einige Stunden. Der Tag neigte sich zur selben Zeit langsam zu Ende und Alea, Tesarra und Gerárd begaben sich langsam zur Nachtruhe. Amir bezog währenddessen an einem der Spähposten, direkt am Eingang zum Lager, Wache. Ein weiterer Wächter zeigte sich sehr dankbar über die Gesellschaft; er gehörte wohl nicht zu den eifrigsten Wachmännern, denn kurz nachdem Amir den Posten bezog gönnte er sich einige Stunden Schlaf und vertraute darauf, dass Amir aufrichtig seine Aufgabe übernehmen würde. Er hatte Glück gehabt, damit richtig zu liegen.

Der zweite Tag auf der Insel begann mit einem seltenen Wetterereignis. Der Morgen war warm, aber nicht unangenehm heiß, und ein grünlicher Schimmer durchzog den Himmel, Pollen lagen in der Luft. Gerárd und Tesarra wussten die Zeichen leicht zu deuten, in ihrer Heimat sahen sie bereits ähnliche Vorkommen. Gerárd informierte schnell den Rest seiner Begleiter und auch im Dorf schien man mit dem Wetter umgehen zu können; nur wenige Menschen waren unterwegs, die Wachposten besetzt doch abseits davon teils gähnende Leere. Der Pollenflug wich aber rasch, die Sonne kam zum Vorschein und man stand vor der Frage, was man als nächstes tun sollte. Dabei bewiesen alle Gefährten gleichermaßen ihr Gespür dafür einfache Eintscheidungsfragen durch Ungeduld unnötig kompliziert zu gestalten. Zaid al-Mudschaheddin bat Gerárd darum seine vermisste Adjudantin zu suchen, als Gegenleistung dafür, dass man ihm eine Waffe aus dem Lagerhaus bereitstellen würde. Gerárd akzeptierte und ihm wurde zwei weitere Punkte auf der Karte markiert. Ein Außenposten sowie ein Eingang zu einer unbekannten Forschungsstätte, beide lagen gut vier Stunden gen Norden entfernt, nahe dem Fluss und Wald.

Wie so oft allerdings, gestaltete sich dieses doch einfache Vorhaben schwer umsetzbar in der Gruppe. Man hörte sich nicht zu und tausche sich kaum aus, sodass der stetige Zwist unter der Gruppe wieder ans Tageslicht rückte. Während Amir, Alea und Gerárd noch am beraten waren wie sie vorgehen sollten, lief Tesara zuvor bereits los um sich den Jägern anzuschließen. Außer über das Verschwinden ihres Begleiters kurz verwundert zu sein, beachtete die anderen drei ihn nicht weiter und zogen nunmehr lediglich zu dritt nach Norden um dort Kunde über den Verbleib der Adjudantin zu erfahren.

In einem Stützpunkten nahe dem See erfuhren sie, dass sie vor zwei Tagen nach Osten zog um den dortigen Gebäudekomplex näher in Augenschein zu nehmen. Seit einiger Zeit hört man wohl Geräusche aus dieser Richtung kommen, Geräusche die – sowohl war klar – nichts Gutes zu bedeuten hätten. Es war bereits Nachmittags, die Sonne stand hoch droben, ein angenehmer Wind wehte. Alea, Amir und Gerárd zogen weiter gen Osten in den Wald, wo der Eingang liegen sollte. Moos hing an den Wänden, Efeu im Weg und Dunkelheit im Inneren. Das wenige Tageslicht und der Fackelschein von Amir ließen schnell klar werden, dass es eine Art technische Einrichtung sein könnte – diverse Apparaturen, wie sie sie bereits in Boreas fanden, zeugten davon. Weiter im Inneren des Komplexes hörte man ein schrilles Schaben an den Wänden und langsames, tiefes Atmen und Stöhnen. Alea betätigte einen Hebel in einem Nebenraum, Licht durchstörme den Raum und weiter im Inneren hörte man wie sich eine Apparatur in Bewegung setzte, ein dumpfes, tiefes Stampfen und Zischen. Gerárd, derweil, verließ wortlos die Einrichtung nachdem er – wohl unbeachtet – mehrmals darauf hinwies, man solle die Finger von den Apparaturen lassen. Wohin genau er verschwand, weiß er nur.

In der Zwischenzeit war Tesarra erfolgreich bei der Jadgt dabei und befand sich in der Gesellschaft eines weiteren Mannes seines Volkes. Die restlichen Männer – Menschen – schienen kein gutes Haar an ihm zu lassen, den Elfen, names Alron. Zog wohl schon seit Wochen mit ihnen mit doch entgegen aller Vorurteile schien er die Vorstellung, dass Elfen von Natur aus exellente Jäger seien, nicht zu bestätigen. So war am Ende nur Tesarra und der Anführer der Jäger erfolgreich. Alron gestand Tesarra diese Art von Arbeit kaum gewohnt zu sein und ein miserabler Jäger zu sein. Solidarisch mit seinem Volksmann, übergab Tesarra Alron seine Beute um im Lager etwas gegen seinen schlechten Ruf vorbringen zu können. Tesarra hatte an diesem Tag mit Gewissheit einen Fürsprecher gefunden und, noch viel wichtiger, jemand der in seiner Schuld steht.

Währenddessen wagten sich Amir und Alea zu zweit weiter in das Gebäude hinein. Aus dem Dunkel sah Amir, wie sich etwas weiter in den Fackelschein schob – ein Dolch schwebte auf Augenhöhe vor ihm in der Luft. Zu zweit schoben sie sich tiefer und tiefer in diese verlassene Stätte hinein und sie stießen auf eine weitere Apparatur; Amir schob reflexartig den mittleren Hebel hinunter, doch hörten sie ein Stampfen und Stöhnen immer näher kommen. Gewagt bahnten sie sich ihren Weg nach draußen doch wurde Amir von den eigenartigen Gestalten gestreift. Eine silberne, matte Schicht lag über den Körpern der Gestalten verbreitet, wie eine Art dünne Metallschicht. Kurz nach dem Angriff spürte Amir ein ungutes Gefühl in seinem Arm.

Die Nacht war bereits aufgezogen und zu dritt begaben sie sich zurück zum Außenpost am See. Zu dritt, denn so wortlos wie Gerárd verschwand tauchte er auch wieder auf – wer weiß, womöglich wäre Amir unversehrt aus diesem Gewölbe gekommen hätten sie sich zu dritt abgesprochen und gemeinsam agiert. Wie dem jedoch auch sei, zog Amir alleine weiter zum Lager an der Südspitze um bei Zaid Hilfe zu suchen. Alea und Gerárd blieben derweil am Außenposten zurück um den Wachmännern zu helfen die Nacht zu überstehen; man befürchtete, dass die Geräusche aus dem Wald in dieser Nacht nicht im Wald bleiben würden.

Amir war jedoch kaum erfolgreich. Zaid gestand ein, dass er selber nicht wüsste um was es sich bei dieser Infektion handle. Sie war magisch, soviel war klar und sie stand in einem Zusammenhang mit dem Rohstoff der wohl einst auf dieser Insel abgebaut wurde. Der Lager lag unmittelbar an einem Minenschacht. Vor wenigen Tagen zog wohl ein Späher aus um das Innere des Schachtes zu erkunden und herauszufinden ob dort etwas von Nutzen oder Wert läge oder gar ob von dort eine Gefahr ausgehe. Er wurde nicht fündig, in keinsterweise, doch zog er sich bei seiner Expedition eine harmlose Schürfwunde am Knie zu. Es dauerte keine paar Tage und eine Art Metallschicht hätte sich über sein Bein und dann nach und nach über den ganzen Körper ausgebreitet.

Zaid’s Adjudantin, Kyra Suras, zog wegen genau diesem Vorfall aus um Informationen über die Hintergrund dieser Insel zu erfahren. Der Name war Amir wohlbekannt, handle es sich dabei doch womöglich um seine Schwester! Womöglich wusste ja sie was auf dieser Insel los war, die nun fürs erste ihre Heimat darstellt. Womöglich wusste sie ja auch, ob es ein Heilmittel gegen die Infektion gäbe oder eine Möglichkeit es einzudämmen – zuerst müsste er sie jedoch finden, sofern sie noch am Leben war.

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Gefangenschaft

Ihre letzte Reise spülte die Abenteurer an einen Strand eines kleinen Eilandes. Tropisches Klima, Palmen und Sandstrand. Die Insel umfasst nur wenige Kilometer und ein Handelsdepot ist das einzige Fleckchen Zivilisation, ein paar Plantagen nicht weit entfernt. Um zu neuen Kräften zu gelangen ruhten sie etwas aus. Die Absteige in der Niederlassung machte zwar nicht viel her, aber Auswahl gab es ohnehin keine. Im Kai lag ein Schiff, scheinbar abreisebereit und die Reisenden beschlossen dort nach einer Überfahrt gen Festland zu suchen.

Noch am Abend vor ihrer Abfahrt erregte ein Stimmengewitter die Aufmerksamkeit von Amir. Im Schankraum fand er ein gutes dutzend an Seeleuten um einen hölzernen Kasten versammelt. Eine dumpfe, blecherne Stimme dröhnte aus dem Kasten und schien als Augenzeuge voller Furor und Aufregung über einen Wettkampf von einem entfernten Ort zu berichten. Es fiehl so mancher Name der Amir doch arg bekannt vorkam, auch wenn der Erzähler es wohl nicht recht auszusprechen vermochte. Die Rede war von “Tiefgewässer” und “Farân” – die Einsicht war nicht fern, dass scheinbar noch andere Überlebende aus Fearûn an die Strände gespült worden waren und in einer Art Arena gegeneinander aufgewiegelt werden. Die Seeleute hingegen verneinen dies bestimmt, denn jeder weiß, dass die Wettkämpfe völlig freiwillig sind und die Flüchtlinge aus Fearûn? Nun, nach ihrer Ankunft strömten sie zu hunderten, gar tausenden in die Städte und, da sie zumeist kein Gold und Nichts bei sich trugen, zog mit ihnen auch die Armut und Kriminalität in die Städte ein. Niemand hätte was gegen sie persönlich, aber manch einer arbeitet bereits genug und da kann man unmöglich auch noch diese Ausländer durchfüttern, geschweige denn dieses Elend mitansehen, dass sie verköpern. Amir holte noch manch anderen seiner Begleiter in den Schankraum die Neugierde war schnell geweckt, auch die der Seeleute als sie erfuhren, dass die Fremden selbst aus Fearûn stammen.

Nach einigen Schwierigkeiten beim Bestimmen des Preises, hieß der Kapitän die Abenteurer auf seinem Schiff wilkommen. Er stellte sich nicht vor, doch während der sechs-tägigen Reise hörten sie oft genug die Seeleute insgeheim über den ihn schimpfen, zumeist dann, wenn sie sich genug Mut angetrunken hatten um das Wort gegen ihn zu erheben. Kapitän Miguel Sanchez, diesen Namen hörten sie so manches mal fallen. Untergebracht waren sie in einem Abteil des Lagerraums, mit dem Rest der Mannschaft. Aus einem der anderen Räume glaubte Gerárd stimmen gehört zu haben und nachdem er durch seine Magie eine Ablenkung schuf, gelang es ihm in einem der anderen Lagerräume einzudringen und dort fand er, gefesselt und sehr erschöpft, gut zwei dutzend Flüchtlinge die offenkundig aus Fearûn stammten. Eine Übernahme des Schiffes wäre kaum möglich und die Gefangenen vom Schiff zu schmuggeln gleichermaßen nicht. Man beschloss abzuwarten bis man das erste Zwischenziel errichte, das Tigrisbecken. So vergingen noch einige Tage, bis Alea Möwen hörte und Land in Sicht ward.


Das Schiff hielt geradewegs auf eine Insel zu die nur wenige Kilometer vom Festland entfernt scheint. Eine große, breite Brücke aus Stein führt vom Festland zur Insel, geschützt durch Zäune, Türme und so manch Wachposten der auf der Brücke auf- und abläuft. Das Schiff legte an einem Kai an, Kisten wurden abgeladen und die Flüchtlinge aus Fearûn von einem waffenstarrenden Kommitee bereits empfangen und über einen großen Platz in diverse Gebäude geführt. Ein Offizier unterhielt sich nur kurz mit dem Kapitän, einige Blicke wurden ausgetauscht und als Caladrell kurzerhand vom Schiff sprang, wurden ihm einige Gewehrläufe unter die Nase gehalten. Es dauerte allerdings nicht lange ehe auch der Rest der Abenteurer auf den Kai geführt wurden. Die Seeleute mögen grob sein, doch als sie damals erfuhren, dass ihre Kundschaft aus Fearûn stammte erfuhr es der Kapitän noch im selben Abend und freute sich über einen weiteren Beutel mit Gold, der ihm eingebracht wurde.

In einem Büro wurden nur wenige Worte gewechselt doch genug um den Grundstein für eine intensive Feindschaft zu legen, denn das man sich erneut über den Weg laufen wird, dass war allen klar.


Zusammen mit einigen anderen Flüchtlingen wurden sie an eine Rampe geführt, die runter in des Talbecken der Insel führt. Sie schien wohl ursprünglich für Waren gedacht worden zu sein doch anstatt Kisten treten nun die Flüchtlinge aus Fearûn ihren Weg nach unten an – unfreiwillig. Als Amir jedoch die unwürdige Behandlung der Flüchtlinge sieht packt ihn die Wut und er reißt einen der Wachmänner mit nach unten und durchbohrt dessen Kehle mit seiner Klinge. Blut spritzt aus seinem Hals und befleckt den Boden; umstehende Flüchtlinge stürzen dazu und verunstalten die Leiche, nehmen Rache an ihren Peinigern.

Schnell wurde den Flüchtlingen bewusst, an was für einen Ort sie gelangt waren. Das tropische Klima, der lauschige Gras und der klare Himmel waren das Gegenteil dessen, was sich an Verzweiflung und Verwerflichkeit in der Insel eingefunden hatte. Unweit der Rampe standen bereits einige ungemütlich aussehende Gestalten, scheinbar nur darauf wartend über die Neuankömmlinge herzufallen und sie wie Frischfleisch zu zerfleddern. Nahrungsmittel sind rar, Gold konnte immer noch als Beschtung für die Wachposten brauchbar sein und Waffen, nun, davon kann man nie genug haben – Skrupel ist nur ein Hindernis, an einem Ort wie diesen. Ein Lichtblick stand gleichermaßen in der Nähe der Rampe und klärte sie in Zügen über diesen Ort und die Lage auf, sagte, er komme von einem der Lager im Süden. Die ersten Flüchtlinge wurden schon vor Monaten auf die Insel gebracht und schnell kamen erste Unstimmigkeit unter den Gefangenen auf, es bildeten sich Lager und Gemeinschaften die sich jedoch eher schlecht als recht verstanden. Amir half einem der anderen Flüchtlinge auf und man entschied sich gemeinsam als erstes gen Süden zu laufen und dort nach0 Unterschlupf zu suchen.

Im Lager der Südspitze machten sie Bekanntschaft mit Zaid Al-Mudschaheddin, einem weiteren Flüchtling aus Fearûn und einem Mitglied der Führung des Lagers.

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