Terra Incognita

Gorillas im Nebel

Die größte Gefahr für Baran, Amir und weitere Gefährten war vorerst abgewehrt. Die Krankheit verlor nach und nach an Kraft, die Wunden schlossen sich, Körper und Geist genesten. Man zog blieb die nächsten Tage weiterhin in den Wäldern versteckt. Die Strapazen der letzten Tagen hinterließen ihre Spuren und nun, da man nun wieder Zeit hatte neue Pläne zu schmieden, beschloss man vorerst einige Tage in Ruhe und Abgeschiedenheit jedes Ärgers zu bleiben. Man griff zu den Büchern um nun endlich, in Ruhe, Wissen über jenen Ort anzueignen, der nunmehr ihre Heimat war – vorerst, jedenfalls. Seit ihrer Ankunft in dieser neuen Welt waren sie stets in Eile, Hektik und durchgehend unterwegs, gönnten sich selten Ruhe und nahmen sich noch viel weniger die Zeit in Erfahrung zu bringen wo eigentlich hier ist. Nun hatten sie die Zeit, und man machte sich eilig daran die größten Wissenslücken zu stopfen.

Rahel und Baran indes zog es weiterhin in die Wildnis. Baran versuchte sich am Handwerk doch, nun, es war nicht sein Tag. Er griff eine der Feuerwaffen aus den erbeuteten Kisten und versuchte mit aller Kraft sie irgendwie an seine treuen Äxte anzubringen, doch als er dann schon die Schaniere knirschen hörte war es ohnehin schon zu spät: er hatte eine Hand voll Schrott in der Hand und die Erfahrung gewonnen, dass er das nächste mal doch vielleicht mit ein paar weiteren Händen sich an diese komplizierte Arbeit macht. Indes zogen er und Rahel los um das zu tun, wovon beide etwas verstanden: anderen Lebewesen ohne erkenntlichen Grund aber dafür mit viel Wumms volles Pfund aufs Maul zu geben – und dieses Wagnis knapp zu überleben. So zogen sie los ins Unterholz und stießen nach wenigen Stunden auf erste Lebenszeichnen. Sie hörten ein Schnaufen. Ein tiefes, dumpfes Schnaufen und unsicher ob sie nun zuschlagen sollten oder nicht doch eher Reißausnahmen sollten, stürmten sie los und standen urplötzlich vor einem riesigen Gorilla. Mindestens einige hundert Tonnen schwer, schlugen die großen Pranken in ihre Richtung und schon nach den ersten Schlägen die Rahel einsteckte war absehbar, dass sie diese Nacht vor Erschöpfung zusammensacken werden – wenn sie die Nacht überhaupt noch sehen. Man wechselte Schläge aus doch ging am Ende knapp als Sieger hervor. Stolz wie eh und je griff Baran Dol das Untier und schliff es voller Stolz zurück ins Lager. Freundlicherweise hinterließen sie eine gut erkennbare Blutpur für den Fall, dass sie am nächsten Tag nochmal hierher zurückkehren wollen!

Amir indes war losgezogen um seine Schwester aufzusuchen. Ihre Krankheit war arg gewesen doch das Heilmittel würde ihr gewiss helfen. So zog er los und als er ankam nahm seine Schwester das Mittel voller Freude entgegen. Sie sah übel aus und sehr erschöpft doch die beruhigenden Worte spendeten ihr Trost und Gewissheit, dass sie in wenigen Tagen wieder ganz die Alte sei. Amir blieb bis zur Nacht im Lager, tat dies und jenes und machte sie wie stets nützlich und fröhnte nicht der Mühseligkeit.

[…]

Zur Nacht, als alle sich erneut im Lager zusammenfanden und, zur Baran’s Verdruss, wenig begeistert waren von seiner Trophäe, den Gestank erwähne ich erst gar nicht, legten sie sich so dann auch alle zur Ruhe. Die Ruhe jedoch, währte nicht lange. Mitten in der Nacht hörten sie ein schrilles Geräusch – jemand oder etwas hatte sich dem Lager genähert! Was es war sahen sie nicht, doch eine Vermutung lag nahe: eine Blutlache doch den tiefsten Dschungel zu ziehen erscheint in der Rückschau nicht mehr ratsam. Manche Erfahrungen macht man eben doch lieber selber anstatt sie in Büchern anzulesen.

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Aqua Vitae

Die Hoffnung? Nun, die Hoffnung, doch endlich zu erfahren was denn eigentlich sich hier ereignet, ob diese Hoffnung erfüllt wurde – womöglich. Zumindest aber, wurde sie nicht gänzlich enttäuscht, denn die Abenteurer fanden sich wieder in einer kleinen Gemeinschaft von Einsiedlern. Keine Asketen, das gewiss nicht, doch wollte man von den Geschehnissen auf der Insel nichts wissen, sich in die Kleinkriege nicht einbinden lassen und, nun, eben leben. Es wurde jedoch schnell klar, dass die erhoffte Unterstützung hier nicht zu finden sei, womöglich ja nirgends auf der Insel! Der Tatendrang der Einsiedler? Sprechen wir nicht darüber. Ihre Möglichkeiten? Gewiss, irgendwelche werden sie haben. Ihr Wissen? Darum stand es doch etwas besser, denn einer unter Ihnen, eine Gestalt von sonderbaren Erscheinen, lebte wohl länger an diesem Ort als jeder andere Anwesende, lebte dort schon, noch lange bevor diese Insel zu einem Gefängnis verdorben wurde.

Variel war beim Anblick klar, dass diese Gestalt nicht ein Wesen von dieser Welt sei. Nun, das womöglich schon, doch die Vorfahren, Elemente und Geister des Wassers, zeigen auch noch nach Generationen ihre Spuren. Die Haut leichenblass und fahl, das Haar ein langes dunkelblau und die Augen klar wie die See – und stets ein ewiggrinsendes Lächeln, doch ein Wort würde er nie an sie richten. Ein Undine, ein Wassergeist. Der Anführer – kann man ihn tatsächlich einen Anführer nennen? – war ein älterer Herr, das Gesicht dunkel und eingefallen, hoffnungslos und so waren auch seine Worte. Mit dem Verlust seiner Heimat in Fearûn verließ ihn auch jede Hoffnung, seine Familie, Freunde und Geliebte – tot, einzig er hat überlebt. Was für manch einen wie Glück, gar Schicksal wirken mag, ist für ihn eine Last, eben jene des Überlebenden. Durch Tatendrang und Euphorie wusste er nicht zu bestechen, doch zumindest gestand er es den Reisenden zu hier ihre Zelte aufzuschlagen, einzig allein sollten sie niemanden in Schwierigkeiten bringen und vor allem, niemanden Töten oder arges Leid zufügen sollten sie hier weiterhin erwünscht sein. Zuviele Menschen sind gestorben – Gute wie Schlechte – sodass das gegenseitige Morden doch irgendwann mal enden muss. So zumindest der ältere Herr, ein Wappen der Stadtwache aus Tiefwasser zierte seine Brust. Reine Nostalgie, wahrscheinlich.

Jedenfalls kam es so, dass die Abenteurer erfuhren, dass regelmäßige Karawanen ihren Weg gen Norden finden um das Lager mit Nachschub zu versorgen. Sollten sie eine Lektion gelernt haben dann die, dass das Konzept von Besitz und Eigentum schnell zu einem bloßen Hindernis wird, wenn es darum geht zu Überleben und ein Ziel zu erreichen. Gemeinsam mit den Einsiedlern beschloss der nächsten Karawane aufzulaufern um dort Güter, doch womöglich auch Informationen, zu erlangen. Die Prämisse war allerdings festgezurrt: keiner soll vorsätzlich zu Schaden kommen! Die Abenteurer, zuerst verdutzt über dieses scheinbare Mitgefühl mit denen die doch offenkundig ihre aller Feinde waren, änderte wenig an der Überzeugtheit der Einsiedler. So einigte man sich und es geschah, dass man aufbrauch um den Hinterhalt zu legen, der ihnen allen hoffentlich alle Mühe wert sein soll.

Die Falle wurde geplant, gelegt und es dauerte nur noch ehe sie ausgeführt werden sollte. Geduld war notwendig in solch einer Situation, doch diese besaß scheinbar jene – Notwendigkeit macht Tugendhaft, zumindest kurzzeitig. Immer näher zogen nunmehr zwei Karren, von Pferden gezogen, und von weit über einem dutzenden Männern wohl bewacht. Ein lautes Knallen, Rauch und dichter Nebel! Noch ehe sie wussten wie ihnen geschah, geschweige denn zu wissen, WAS geschah, fanden sie sich in einem einzigen Chaos wieder, dass sie nicht zu kontrollieren wussten. Den einen brannte gleißendes Licht in den Augen und raubte ihnen die sicht, die anderen taub vom Lärm stießen im dichten Nebel gegen jene die, ergriffen von unglaublichen Krämpfen, ihren Mageninhalt auf Umwelt und Genossen gleichermaßen ergossen. In diesem Wirrwarr als Verwirrung, Kotze, Chaos und Magensaft rannten die Räuber zielsicher auf die Wagen zu, man wehrte die wenigen wehrhaften Wachen ab und, während die einen nicht einmal ihren Magen unter Kontrolle hatten, waren die Pferde hingegen gebändigt und die Abenteurer flohen so schnell wie sie zuschlugen. Kaum ein Schuss gefallen und außer wenigen halbherzigen Schlagabtäuschen war das einzige, was an diesen Überfall erinnerte, ein leichter Nebel in der Luft und Erbrochenes am Boden. Gut, und Reifenspuren welche quer über die weite Flur ragten.

Am Einsiedlerlager angekommen riss man schnell alles an Gut und Wert an sich, verstaute es auf dem Wagen und zog weiter in Richtung Wälder in der Hoffnung, dort vorerst einen sicheren Hafen zu finden. Die Wagen wurden entsorgt, die Pferde hingegen nicht – jedenfalls noch nicht. Erschöpft und ausgelagt von den Strapazen zogen sich alle einstimmig, nachdem ein Fass Bier angeschlagen und ein teurer Tropfen Fusel geleert war, alle zurück; man warf sich auf den Boden, in eine Hängematte oder wo es einem sonst beliebte. Für diese Nacht waren sie Sieger.

Und nicht nur Sieger, denn was wichtiger war alls jede andere Beute, war ihr Leben. Wie erhofft befanden sich auf dem Wagen wenige, doch genügend, Ampullen mit einem Serum welches die krankmachende Wirkung des Aethers aufheben kann. Manch einer der Abenteurer hatte damit den Schlüssel zum Leben erhalten und für Amir war klar, dass er damit einem sehr wichtigen Menschen retten kann.

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Alte Feinde, Neue Feinde

Der Kampf war kaum beendet, da kam die Gruppe bereits in den Genuss eine Liste an Bedarfsgütern ausgeben zu lassen. Amir sprach für alle, sprach davon, dass Nahrungsmittel sowie Werkzeuge benötigt wären; ein bebrillter, leicht geduckt stehender Mann nahm die Wünsche entgegen, nachdem man sich dann schließlich einigen konnte. Was darauf folgte? Eine längst überfällige Rast und eine Unterredung, von der sie zu dem Zeitpunkt doch aber noch nichts wussten. Baran Dol war nach wie vor nicht zu Bewusstsein gelangt und man hielt Wache. Die einen schliefen, die anderen wachten – und gut war es, dass sie dies taten. Alea rastete neben Baran, doch sollte der Schlaf nicht ungestört bleiben. Zwielichtige Gestalten schlichen in das Zelt, Messer gezückt und bereits an die Kehle gelegt als Gerárd aufhorchte, Caladrell tat es ihm gleich.

Es dauerte nicht wenige Sekunden ehe ein Kampf entbrannte doch versuchten die Attentäter zu fliehen; vergebens, muss gesagt werden. Man beriet sich wie mit ihnen umzugehen sei, doch abseits von Alea und Baran schien man sich einig, dass sie zu sterben hätten. Der Streit legt sich und die Entscheidung stand fest: Zaid soll sein Urteil fällen. Zaid seinerseits zog mit Gefolgschaft bereits gen Lager; der Wettkampf war vorbei, Arbeiten mussten erledigt werden.

Der nächste Tag wurde von einer schwülen Hitze getragen, einer unerträglichen Hitze. Man schleppte Stunde um Stunde über weite Wiesen doch die Hitze obsiegte – man rastete bis zum Sonnenuntergang. Mit dem Einbruch der Nacht traf man im Lager ein und die Attentäter wurden Zaids Urteil übergeben; eine Strafe musste sein, dies war klar, und eine deutliche. Er zog eine stumpfe Klinge und schlug einem jeden die Hand ab,auf dass sie nie mehr Untaten begehen können. Allerdings, sollte es nicht nur für jene Verbrecher ein Richturteil geben. Noch immer stand der Mord an Baran Dol im Raum und auch Kyra berichtete so manch Unangenehmes.

Die Gruppe wurde zu einer Unterredung einberufen. Ein jeder sollte – alleine – sich zu einem Verhör einfinden. Magie erfüllte das Arbeitszimmer von Zaid und eine jede Lüge, ein jeder Versuch einer Frage zu entgehen würde nicht unbemerkt bleiben. Ein jeder nach dem anderen unterzog sich dem Verhör und schnell trat das Ergebnis zu Tage. Zaid unterrichtete Alea, dass er seiner Gefolgschaft die Botschaft übermitteln solle, man wisse, wer den Mord an Baran Dol begann. Nun ist aber auch gewiss gewesen, dass die Abenteurer dem Lager gute Dienste erwiesen – es stand ihnen zu sich zu beraten wie damit umzugehen sei. Eine Strafe sei notwendig und der Täter müsse Buße tun. Die Gruppe jedoch, war unentschlossen was zu tun war und die Anwesendheit eines Mörders unter ihren Reihen? Nun, es schien als hätte sich jeder damit abgefunden.

Tesarra allerdings, wusste, dass es eng für ihn wurde. Unter dem Mantel der Nacht schlich er sich aus dem Lager und entkam ungesehen, woher er ging, wusste nur er. Er lief wohl schon Stunden als er ein Lagerfeuer entdeckte, doch die Gestalten rings umher, kannte er nur zu gut – Dunkelelfen, nicht unweit neben ihnen lagen Gefangene von Tesarras Volk. Unbemerkt gab er den ersten Schuss ab und knapp errang er den Sieg über sie. Was er allerdings desweiteren fand, erweckte seine Aufmerksamkeit noch mehr. Jedenfalls gelang es ihm zwei Weitere seines Volkes zu retten doch wohin er jetzt gehen soll? Nun, Freunde zu machen war in der Vergangenheit wohl nicht seine Stärke gewesen. Ein Umstand, der ihm womöglich langsam zum Verhängnis wird.

Derweil zog Amir und Gerárd gen Norden. Sie bekamen Kunde, dass ein Heilmittel für ihre Krankheit womöglich dort zu finden sei. Alea und Baran Dol? Nun, Alea seinerseits entschied sich der Gruppe wohl vorerst den Rücken zu kehren, er wollte andere Aufgaben übernahmen. Gleichsam zog Baran Dol mit einem alten Bekannten Amir hinterher, denn auch Baran lag viel daran ein Heilmittel in aller Schnelle zu finden. Gewiss war nämlich, dass ein ehrhafter Tod nicht in Siechtum und Krankheit zu finden sei. Der Mond stand nach wie vor am Himmel, als Amir und Gerárd einem fremden Mann begegneten – strahlendes Haar, eine Gestalt, die nicht von dieser Welt zu schienen sie. Offenkundig war, dass er so manches über diesen Ort wusste und ihn sein Weg, obwohl er gen Süden zog, ihn trodzdem nach Norden führte. Mag dies verstehen wer mag, doch ereignete es sich genau so. Man entschied gemeinsam zu reisen und ein Lager ein Einsieldern, Emeriten nördlich des Sees aufzusuchen in der Hoffnung, dass diese mehr zu erzählen wissen über die Insel, den Aether ja, diese ganze Welt als solche, die nun für jene aus Fearûn ihre neue Heimat ward.

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Nahtoderfahrung

Es war noch immer tiefste Nacht als die Abenteurer den lang vergessenen Schlaf nachholten und zahlreiche Wunden leckten. Sie würden etwas rasten und dann, gemeinsam mit Kyra, den Rückweg antreten – und sich für den Wettkampf bereit machen, denn freiwillig entschieden sie keinerlei Rast zu nehmen sondern sich von einer in die nächste Gefahr zu stürzen. Die Sonne stand nunmehr oben am Himmel als sie erneut wachen wurden, sie nahmen ihre Sachen, kurbelten das schwere Eisentor auf und betraten erneut die Werkstätte, noch immer von Leichen übersäht und so ruhig wie sie in der Nacht zurückgelassen wurde.

Die Hallen war von Licht durchflutet, doch ein angenehmerer Ort war es dadurch nicht geworden. Sie standen wenige Schritte vom Aufzugsschacht entfernt als ein ungewöhnliches Geräusch zu hören war, kaum ein paar Meter von ihnen entfernt und sicher war eines: dieses Scharren und tiefe Atmen, ein und aus, bedeutete sicher nichts Gutes. Tesarra erinnerte sich, hatte er doch selber die Kreatur noch letzte Nacht aufgeschreckt, auf sie aufmerksam gemacht und er wusste eines genau – je schneller sie wegkommen, desto sicherer ist es für ihn. Amir jedenfalls, war entschlossen weiter gen Ausgang zu gehen. Tesarra konnte dies nur zu Gute kommen, denn eines war klar: solange die Kreatur Amir und den Rest zerfetzt würde er sich in der Zwischenzeit in Sicherheit bringen können.

Wenige Sekunden waren vergangen als Amir und Kyra hinter sich eine dunkle Wolke wie aus dem Nichts auftauchen sahen, ein Schrei folgte und sie sahen wie eine Kreatur, ganz von dem Aether überzogen, einem der Begleiter mit einem Schlag zu Boden warf. Schnell entbrannte ein Kampf, Schläge wurden ausgetauscht und kaum sahen sie die Kreatur verschwand sie, schien woanders aufzutauchen und täuschte ihre Sinne durch Illusionen, falsche Geräusche und Fallen.

Es war zur der Zeit als Baran Dol die Szenerie betrat – ein Bekannter von Drakbron und somit auch von Zaid. Von ihnen wurde er gebeten die Ereignisse in der Einrichtung im Westen zu überprüfen, denn man hörte schon seit einem Tag nichts mehr von ihnen, ihr Verbleiben war ungewiss. Gewiss hingegen war nur, dass er zur rechten Zeit erschien, denn die Bestie war nicht nur eine große Gefahr, auch hielten sich Tesarra und Alea derweil im Hintergrund, versteckt hinter einem schweren Tor. Mit Dol’s Hilfe allerdings gelang es den Verbliebenen die Kreatur zurückzuschlagen und der Weg in die Freiheit war offen. Wenige Stunden verstrichen und sie standen bei der Arena, denn trotz der turbulenten Ereignisse war ihr Wille am Wettkampf teilzunehmen ungebrochen.

Die Stunden verstrichen, man bereitete sich vor. Baran Dol allerdings, für ihn war die Stunde gekommen – er betrat die Arena gegen einen wohlgerüsteten Mann, gewiss kampferfahren. Schon mit dem ersten Schlag rang Dol seinen Gegner fast zu Boden, ein fester Schlag der sein Gegenüber aus dem Gleichgewicht warf doch zeigte er seine Erfahrung im Kampf. In zwei Angriffen schlug er Dol kurzerhand seine Äxte aus der Hand und hinterließ ihn unbewaffnet, der Kampf sah nicht gut aus – und verlief auch nicht gut. Dol trug schwere Schläge ein und wurde nach guter Gegenwehr doch zu Boden geworfen und sein Gegner zog einen Dolch, machte Anstalten Dol zu töten. Kaum hatte er jedoch die Arena verlassen, da wurde bemerkt, dass er den Todesschlag nur vorgetäuscht hatte – und floh seinerseits mit seiner Frau und Kind.

Baran Dol wurde schnell aus der Arena gezogen und Alea sowie Tesarra eilten zu ihm und bemühte sich seine Wunden zu verarzten. Alea war sich gewiss, dass er sein Bestes gegeben hat und der Zwerg über die Runden kommen würde, denn für eine Zeit schien alles wie gehofft zu verlaufen doch dann rissen die Nähte auf und Dol erlag seinen Wunden. Alea war überrascht und wenige Sekunden später eilten Zaid und Drakbron zu Dol, saß der eine doch im Zelt und der andere unter den Zuschauern und bekam die Ereignisse nur aus dem Augenwinkel mit, selber nicht sicher was geschah. Sicher war jedoch, dass nur wenig Zeit verblieb, würde man ihn von den Toten zurückholen wollen und so machten sich beide ans Werk.

Die Gruppe derweil, im guten Glauben, dass wohl alles fair zugehe, nahmen sie sogleich auch ein Geschenk einer unbekannten Frau an. Wie sie sagte, würde sie weitere Heilmixturen im Namen von Zaid und Drakbron überreichen, doch war der Inhalt von giftiger Wirkung und Alea entging dem Anschlag mit Glück. Die Gruppe allerdings bewies dennoch Anstand und ergriff keinerlei eigene Initiative und gingen mutig aber doch völlig unwissend was sie erwartet in die Arena. Was dann geschah, bleibt an dieser Stelle besser verschwiegen, doch sei soviel gesagt: knapp entkamen sie dem Tod, denn ihre Kontrahänten waren Drow, Dunkelelfen der Unterreiche, geübt mit dem Schwert, der Armbrust und Magie gleichermaßen. Schwarze Sphären verdunkelten die Sicht und zwischenzeitlich sah es fürchterlich für Amir und seine Begleiter aus, doch mit Beharrlichkeit – und einer Portion Glück – gelang es ihnen doch den Kampf zu überstehen. Ob man von einem Sieg sprechen kann, ist wohl kaum zu sagen. Gewiss ist jedoch, dass diese Nahtoderfahrung eine Lehre war: Wissen ist Macht. Vor allem aber, Unwissenheit darüber was einem erwartet ist ein sicherer Weg in die Hände von Gevatter Tod.

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Wiedersehen

Alea lag nach wie vor schwer verwundet im Schacht und ohne entsprechende Heilmittel wäre es wohl kaum möglich ihm zu helfen. Rasten und ihn zu helfen wäre gewiss eine Möglichkeit gewesen, doch Tesarra wollte sich ob der Verletzung von Alea nicht aufhalten lassen und auch Amir war fest entschlossen alleine weiterzugehen, selbst wenn dies bedeutet, einen Gefährten alleine zurücklassen zu müssen. So entschieden sie sich also ohne Wenn und Aber weiter in das Gebäude vorzudringen, denn womöglich ließe sich auch dort ein Heilmittel für Alea finden und Amir’s Schwester.

So kletterten sie alle die Leiter hoch, einige dutzende Meter in die Höhe, um einen ersten Schritt in die Anlage zu setzen. Schnell wurde klar, dass es mit der Werkstätte, welche sie bereits betraten, wenig zu tun hat. Der Boden, die Wände als auch die Wände waren aus feinstem, weißen Marmor, steril und sauber. Weniger als eine Werkstätte als vielmehr wie ein Laboratorium, wirkte diese Einrichtung, und getaucht war sie in ein dumpfes, weißes Licht. Künstliche Lichter erheltten die Forschungsstätte nur punktuell und ein frischer Wind zog hindurch. Schnell wurde klar weshalb, denn weite Teile des Bodens waren aus Glas und erlaubten einen Blick in die Tiefe, doch an den meisten Stellen war das Glas bereits herausgebrochen. Nebst Marmor bedeckten unzählige Leichen, tote Körper, den Boden und große Blutlachen färbten die Stätte in Rot.

Während ihrer Erkundung stießen sie erneut auf arme Gestalten die offenkundig in Kontakt mit dem Aether gekommen waren und von ihrem einstigen Menschein war nur noch wenig übrig. In diversen Räumen lagerten so allerlei technische Gerätschaften, Papiere, Proben und alchemische Zutaten sowie manchen arkanen Gegenstand. Tiefer im Laboratorium, auf dem Krankenzimmer, fand Amir neben einigen sezierten Leichnamen zufälligerweise eine Tinktur welche gut geeignet schien um Alea erneut ins Leben zurückzuholen. So geschah es, und Alea schloss sich erneut ohne viele Worte zu verlieren dem Rest an. Unweit entfernt fanden sie in Büroräumen diverse Papiere welche Aufschluss über diesen Ort gaben, den Aether und die Personen welche in den Vorgängen verstrickt waren und so manch Name kam ihnen sehr vertraut vor.

Sie zogen weiter, doch ließ Tesarra es sich nicht nehmen, entgegen besten Wissen zuvor noch Halt vor einem gut abgeschlossenen Zimmer zu machen. Was auch immer sich dorthinter befand nahm ihn zur Kenntnis und gab sich größte Mühe die Tür zu zerschlagen und soviel war sicher; mit der Zeit würde die Tür, so massiv sie auch war, nachgeben. Weiter im Komplex behinderten mechanische Wächter ein weiteres Vorrücken und setzten einem jedem, aber vor allem Alea, stark zu. So langsam sie auch waren, so unnachgiebig waren sie auch und Alea gelang es sogar sich mit einer eigenen Kugel erneut an die Schwelle zum Tod zu befördern. Die Unentschlossenheit war groß und kaum einer wusste ernsthaft, wie diesen Kolossen beizukommen war und eine Flucht weiter in die Forschungsstätte hinein war unmöglich, denn ein großes Tor blockierte ihren Weg.

Einzig Amir schien von der Stärke der Automaten unbeeindruckt und hielt mit seiner eigenen Kraft entgegen und spätestens als er einen der beiden mechanischen Wächter mit einem einzigen Tritt in den Abgrund beförderte, packte ihn die Entschlossenheit und Stück für Stück drängte er auch den zweiten Apparatur immer näher an den Abgrund. Er musste große Kraft aufwenden doch als die Apparatur mit einem Bein am Abgrund stand hob Amir sogleich seines und mit einem festen Tritt gegen den Oberkörper beförderte er auch den zweiten gen Boden. Die Gefahr war damit gebannt und schnell stießen sie von dortan auf einen Kontrollraum, von wo aus sie die Energiequelle der Analage ausschalten konnten. So taten sie es und die große Pforte konnte geöffnet werden.

Sie fanden sich außerhalb auf einer großen Plattform, dutzende Meter über dem Boden, vor ihnen eine Art Luftschiff und in diesem Luftschiff? Nun, ein jugendliches Mädchen, etwas mitgenommen, doch sichtlich erleichtert als sie nicht nur Hilfe sondern vor allem auch ihren Bruder sah.

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Eine lange Nacht

Alea stand alleine da. Sein Begleiter? Wohl in Luft aufgelöst. Beide sagten sie zu ihr Leben für den Außenposten am See einzusetzen – allerdings nahmen es wohl nicht alle so ritterlich, denn kaum brach die Nacht ein und man hörte ein Stampfen näher kommen, da nahm auch bereits der erste die Beine in die Hände. Dutzende über dutzende Gestalten schlurften auf sie, die wenigen Verteidiger, zu und für jeden der zu Boden fiel konnte man meinen, würden zwei weitere nachziehen. Die Chancen standen nicht sonderlich gut, denn langsam aber sicher drohte die Männer in einer wahren Flut an Ankömmlingen unterzugehen. Amir und seine Begleitung beschlossen zur selben Zeit ihrerseits in Richtung See zu ziehen in der Absicht Alea zur unterstützen doch sollte es einige Stunden dauern ehe sie ankommen würden. Währenddessen fiel Leichnam um Leichnam und als Amir und Tesarra endlich eintrafen, wateten sie durch ein Meer an Leiber, im Gepäck weitere Verstärkung. Mehr als vier dutzend waren es wohl an der Zahl, als sich die Nacht zu Ende neigte und Ruhe einkehrte. Sie erhielten viel Lob und gewiss war, dass auch diese Entscheidung, die Entscheidung einzugreifen, ihnen zu gute gehalten wird.

Ruhe sollte ihnen allerdings nicht lange vergönnt sein. Alea konnte kaum seine Wunden lecken als man beschloss weiterzuziehen, immer noch erschöpft vom vorherigen Abend. In der Hoffnung, dass die Werksätte in der Nähe nun kaum noch derartige Kreaturen beherbergen könnten, zogen sie erneut in Richtung Wald. Sie hatten recht gehabt, denn der Leichenberg nahe dem See hatte die Werkstätte fast gänzlich ausgedörrt und bis auf das Schaben des Messers und des Stampfens einer Maschine im Hintergrund war es still. Sie durchquerten die Werkstätte und stießen auf allerlei verlassene Räume und Gerätschaften. Ein Raum fiel ihnen besonders ins Auge wo Gegenstände verschiedenster Art gelagert waren, stark magisch, wie Tesarra wusste und ohne groß einen Gedanken zu verschenken räumte er einiges an Dingen ein. Alea, auf einige Patronenkugeln aufmerksam geworden, wollte es ihm gleich tun doch als seine Hand die Kugeln umfasste schossen sie, plötzlich stark beschleunigt, aus und durch seine Hand – sein legendäres Glück hielt an! Tesarra fand zudem ein Buch welches seine Neugierde weckte.

Am Ende des Komplexes stießen sie auf eine große Halle in deren Inneren eine Maschine stand, überzogen mit einem blassen Schimmern wie sie es auch sonst vielerorts hier vorfanden. Einst wohl dazu gedacht in die Tiefe zu graben, hatte diese Apparatur – einige Fuß hoch! – sich wohl selbst verändert und die Halle verwüstet. Am Ende der Halle jedoch, sahen sie eine Tasche die Amir sehr bekannt vor kam: offenkundig gehörte sie seiner Schwester und rannten sie durch die Halle, die Tasche packend und flüchteten durch einen Schacht in der Nähe. Tesarra fand einige interessanten Papiere die er jedoch zuerst lieber für sich behalten wollte.

Sie erfuhren über den Ort einer zweiten Werkstätte auf der Insel und ohne groß zu überlegen, oder auf Alea’s Wunden Rücksicht zu nehmen, zogen sie weiter. Unterwegs erfuhren sie, dass Zaid in Begleitung am kommenden Wettkampf teilnehmen würde, denn die Nahrungsmittel waren knapp und andere Freiwillige fanden sich nicht. Nicht sonderlich überzeugt von seinen Fähigkeiten, beschlossen sie – oder eher Amir – ihn beim Arenaplatz zu besuchen und vorzuschlagen an seiner Stelle in den Ring zu steigen. Dort angekommen lösten sich die Bedenken jedoch schnell auf, als sie auf seine Begleiter stießen; ein Zwerg getränkt in Selbstbewusstsein und eine hagere Gestalt in längerer Kleidung mit einer Klinge an der Seite. Nun Blut geleckt, entschieden sie sich jedoch dennoch am Wettkampf am nächsten Abend teilzunehmen, denn ein zweiter Sieg wäre eben einer mehr.

Rasten kam jedoch für sie nicht in Frage und da sie noch ein wenig Zeit hatten, zogen sie weiter gen Westen zur zweiten Werkstätte. Hoch in den Berg gebaut war sie, einige dutzende Fuß hoch, soviel konnten sie sehen. Am Fuße des Bergvorhanges war ein Eingang in den Fels geschlagen worden und ein kleiner Raum mit einer Art Schacht am Ende. Vergleichsweise schmal mit einer Leiter auf der gegenüberliegenden Seite, doch einige Fuß tief. Alea versuchte als Erster an die Leiter zu gelangen, doch muss er während des Absprungs wohl über seine eigenen Füße gestolpert sein, denn kam lösten er sich vom Boden fiel er den Schacht hinunter; als Amir und Tesarra wenige Augenblicke sicher zu ihm stießen, fanden sie ihn bewusstlos und schwer verletzt vor.

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Offene Fragen

Noch am Tag ihrer Ankunft konnte man ihnen eine Bleibe anbieten, doch mehr als eine Ansammlung von Holz, eine alte Barracke stellt dies nicht dar. Es tropft, das Dach leckt und die Gruppe war nach einem starken Regenguss bereits durchnässt genug. Da sich keiner seiner Gefährten an dieser Situation zu stören schien beschloss Amir sich der Sache selber anzunehmen und holte Informationen ein und fragte herum, wo man Material finden und die nötigen Handgriffe erfahren könnte. Von Zaid wurde ihnen schnell klar gemacht, dass das Lager durch Regeln regiert ist. Alle Güter, alle Nahrungsmittel, Materialien und Arbeitskraft wird verteilt; wer seinen Anteil will, muss gleichermaßen einen Gegenwert einbringen. Jeder ist auf jeden angewiesen, gerade in dem Lager an der Südspitze, wo viele sich auch viele Kinder und Alte befinden die zweifellos eine Last für alle darstellen. Bei einem Spaziergang durch das Lager wurde schnell klar, dass ein Regelbruch nicht geduldet wird; Männer die in Ketten lagen, sollten ein Mahnmal für jeden Verstoß darstellen.

Während einige seiner Gefährten noch in der abgestandenen Barracke saßen oder das Lager weiter erkundeten, zog Amir los, bedacht darauf, seine Fähigkeiten sinnvoll in der Gemeinschaft einbringen zu können. Der Schmied, ein älterer Mann mit ledriger Haut namens Sorvin, wusste seinen Arbeitswillen zu schätzen und trotz des heißens Wetter schufteten sie an der Schmiede für einige Stunden. Der Tag neigte sich zur selben Zeit langsam zu Ende und Alea, Tesarra und Gerárd begaben sich langsam zur Nachtruhe. Amir bezog währenddessen an einem der Spähposten, direkt am Eingang zum Lager, Wache. Ein weiterer Wächter zeigte sich sehr dankbar über die Gesellschaft; er gehörte wohl nicht zu den eifrigsten Wachmännern, denn kurz nachdem Amir den Posten bezog gönnte er sich einige Stunden Schlaf und vertraute darauf, dass Amir aufrichtig seine Aufgabe übernehmen würde. Er hatte Glück gehabt, damit richtig zu liegen.

Der zweite Tag auf der Insel begann mit einem seltenen Wetterereignis. Der Morgen war warm, aber nicht unangenehm heiß, und ein grünlicher Schimmer durchzog den Himmel, Pollen lagen in der Luft. Gerárd und Tesarra wussten die Zeichen leicht zu deuten, in ihrer Heimat sahen sie bereits ähnliche Vorkommen. Gerárd informierte schnell den Rest seiner Begleiter und auch im Dorf schien man mit dem Wetter umgehen zu können; nur wenige Menschen waren unterwegs, die Wachposten besetzt doch abseits davon teils gähnende Leere. Der Pollenflug wich aber rasch, die Sonne kam zum Vorschein und man stand vor der Frage, was man als nächstes tun sollte. Dabei bewiesen alle Gefährten gleichermaßen ihr Gespür dafür einfache Eintscheidungsfragen durch Ungeduld unnötig kompliziert zu gestalten. Zaid al-Mudschaheddin bat Gerárd darum seine vermisste Adjudantin zu suchen, als Gegenleistung dafür, dass man ihm eine Waffe aus dem Lagerhaus bereitstellen würde. Gerárd akzeptierte und ihm wurde zwei weitere Punkte auf der Karte markiert. Ein Außenposten sowie ein Eingang zu einer unbekannten Forschungsstätte, beide lagen gut vier Stunden gen Norden entfernt, nahe dem Fluss und Wald.

Wie so oft allerdings, gestaltete sich dieses doch einfache Vorhaben schwer umsetzbar in der Gruppe. Man hörte sich nicht zu und tausche sich kaum aus, sodass der stetige Zwist unter der Gruppe wieder ans Tageslicht rückte. Während Amir, Alea und Gerárd noch am beraten waren wie sie vorgehen sollten, lief Tesara zuvor bereits los um sich den Jägern anzuschließen. Außer über das Verschwinden ihres Begleiters kurz verwundert zu sein, beachtete die anderen drei ihn nicht weiter und zogen nunmehr lediglich zu dritt nach Norden um dort Kunde über den Verbleib der Adjudantin zu erfahren.

In einem Stützpunkten nahe dem See erfuhren sie, dass sie vor zwei Tagen nach Osten zog um den dortigen Gebäudekomplex näher in Augenschein zu nehmen. Seit einiger Zeit hört man wohl Geräusche aus dieser Richtung kommen, Geräusche die – sowohl war klar – nichts Gutes zu bedeuten hätten. Es war bereits Nachmittags, die Sonne stand hoch droben, ein angenehmer Wind wehte. Alea, Amir und Gerárd zogen weiter gen Osten in den Wald, wo der Eingang liegen sollte. Moos hing an den Wänden, Efeu im Weg und Dunkelheit im Inneren. Das wenige Tageslicht und der Fackelschein von Amir ließen schnell klar werden, dass es eine Art technische Einrichtung sein könnte – diverse Apparaturen, wie sie sie bereits in Boreas fanden, zeugten davon. Weiter im Inneren des Komplexes hörte man ein schrilles Schaben an den Wänden und langsames, tiefes Atmen und Stöhnen. Alea betätigte einen Hebel in einem Nebenraum, Licht durchstörme den Raum und weiter im Inneren hörte man wie sich eine Apparatur in Bewegung setzte, ein dumpfes, tiefes Stampfen und Zischen. Gerárd, derweil, verließ wortlos die Einrichtung nachdem er – wohl unbeachtet – mehrmals darauf hinwies, man solle die Finger von den Apparaturen lassen. Wohin genau er verschwand, weiß er nur.

In der Zwischenzeit war Tesarra erfolgreich bei der Jadgt dabei und befand sich in der Gesellschaft eines weiteren Mannes seines Volkes. Die restlichen Männer – Menschen – schienen kein gutes Haar an ihm zu lassen, den Elfen, names Alron. Zog wohl schon seit Wochen mit ihnen mit doch entgegen aller Vorurteile schien er die Vorstellung, dass Elfen von Natur aus exellente Jäger seien, nicht zu bestätigen. So war am Ende nur Tesarra und der Anführer der Jäger erfolgreich. Alron gestand Tesarra diese Art von Arbeit kaum gewohnt zu sein und ein miserabler Jäger zu sein. Solidarisch mit seinem Volksmann, übergab Tesarra Alron seine Beute um im Lager etwas gegen seinen schlechten Ruf vorbringen zu können. Tesarra hatte an diesem Tag mit Gewissheit einen Fürsprecher gefunden und, noch viel wichtiger, jemand der in seiner Schuld steht.

Währenddessen wagten sich Amir und Alea zu zweit weiter in das Gebäude hinein. Aus dem Dunkel sah Amir, wie sich etwas weiter in den Fackelschein schob – ein Dolch schwebte auf Augenhöhe vor ihm in der Luft. Zu zweit schoben sie sich tiefer und tiefer in diese verlassene Stätte hinein und sie stießen auf eine weitere Apparatur; Amir schob reflexartig den mittleren Hebel hinunter, doch hörten sie ein Stampfen und Stöhnen immer näher kommen. Gewagt bahnten sie sich ihren Weg nach draußen doch wurde Amir von den eigenartigen Gestalten gestreift. Eine silberne, matte Schicht lag über den Körpern der Gestalten verbreitet, wie eine Art dünne Metallschicht. Kurz nach dem Angriff spürte Amir ein ungutes Gefühl in seinem Arm.

Die Nacht war bereits aufgezogen und zu dritt begaben sie sich zurück zum Außenpost am See. Zu dritt, denn so wortlos wie Gerárd verschwand tauchte er auch wieder auf – wer weiß, womöglich wäre Amir unversehrt aus diesem Gewölbe gekommen hätten sie sich zu dritt abgesprochen und gemeinsam agiert. Wie dem jedoch auch sei, zog Amir alleine weiter zum Lager an der Südspitze um bei Zaid Hilfe zu suchen. Alea und Gerárd blieben derweil am Außenposten zurück um den Wachmännern zu helfen die Nacht zu überstehen; man befürchtete, dass die Geräusche aus dem Wald in dieser Nacht nicht im Wald bleiben würden.

Amir war jedoch kaum erfolgreich. Zaid gestand ein, dass er selber nicht wüsste um was es sich bei dieser Infektion handle. Sie war magisch, soviel war klar und sie stand in einem Zusammenhang mit dem Rohstoff der wohl einst auf dieser Insel abgebaut wurde. Der Lager lag unmittelbar an einem Minenschacht. Vor wenigen Tagen zog wohl ein Späher aus um das Innere des Schachtes zu erkunden und herauszufinden ob dort etwas von Nutzen oder Wert läge oder gar ob von dort eine Gefahr ausgehe. Er wurde nicht fündig, in keinsterweise, doch zog er sich bei seiner Expedition eine harmlose Schürfwunde am Knie zu. Es dauerte keine paar Tage und eine Art Metallschicht hätte sich über sein Bein und dann nach und nach über den ganzen Körper ausgebreitet.

Zaid’s Adjudantin, Kyra Suras, zog wegen genau diesem Vorfall aus um Informationen über die Hintergrund dieser Insel zu erfahren. Der Name war Amir wohlbekannt, handle es sich dabei doch womöglich um seine Schwester! Womöglich wusste ja sie was auf dieser Insel los war, die nun fürs erste ihre Heimat darstellt. Womöglich wusste sie ja auch, ob es ein Heilmittel gegen die Infektion gäbe oder eine Möglichkeit es einzudämmen – zuerst müsste er sie jedoch finden, sofern sie noch am Leben war.

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Gefangenschaft

Ihre letzte Reise spülte die Abenteurer an einen Strand eines kleinen Eilandes. Tropisches Klima, Palmen und Sandstrand. Die Insel umfasst nur wenige Kilometer und ein Handelsdepot ist das einzige Fleckchen Zivilisation, ein paar Plantagen nicht weit entfernt. Um zu neuen Kräften zu gelangen ruhten sie etwas aus. Die Absteige in der Niederlassung machte zwar nicht viel her, aber Auswahl gab es ohnehin keine. Im Kai lag ein Schiff, scheinbar abreisebereit und die Reisenden beschlossen dort nach einer Überfahrt gen Festland zu suchen.

Noch am Abend vor ihrer Abfahrt erregte ein Stimmengewitter die Aufmerksamkeit von Amir. Im Schankraum fand er ein gutes dutzend an Seeleuten um einen hölzernen Kasten versammelt. Eine dumpfe, blecherne Stimme dröhnte aus dem Kasten und schien als Augenzeuge voller Furor und Aufregung über einen Wettkampf von einem entfernten Ort zu berichten. Es fiehl so mancher Name der Amir doch arg bekannt vorkam, auch wenn der Erzähler es wohl nicht recht auszusprechen vermochte. Die Rede war von “Tiefgewässer” und “Farân” – die Einsicht war nicht fern, dass scheinbar noch andere Überlebende aus Fearûn an die Strände gespült worden waren und in einer Art Arena gegeneinander aufgewiegelt werden. Die Seeleute hingegen verneinen dies bestimmt, denn jeder weiß, dass die Wettkämpfe völlig freiwillig sind und die Flüchtlinge aus Fearûn? Nun, nach ihrer Ankunft strömten sie zu hunderten, gar tausenden in die Städte und, da sie zumeist kein Gold und Nichts bei sich trugen, zog mit ihnen auch die Armut und Kriminalität in die Städte ein. Niemand hätte was gegen sie persönlich, aber manch einer arbeitet bereits genug und da kann man unmöglich auch noch diese Ausländer durchfüttern, geschweige denn dieses Elend mitansehen, dass sie verköpern. Amir holte noch manch anderen seiner Begleiter in den Schankraum die Neugierde war schnell geweckt, auch die der Seeleute als sie erfuhren, dass die Fremden selbst aus Fearûn stammen.

Nach einigen Schwierigkeiten beim Bestimmen des Preises, hieß der Kapitän die Abenteurer auf seinem Schiff wilkommen. Er stellte sich nicht vor, doch während der sechs-tägigen Reise hörten sie oft genug die Seeleute insgeheim über den ihn schimpfen, zumeist dann, wenn sie sich genug Mut angetrunken hatten um das Wort gegen ihn zu erheben. Kapitän Miguel Sanchez, diesen Namen hörten sie so manches mal fallen. Untergebracht waren sie in einem Abteil des Lagerraums, mit dem Rest der Mannschaft. Aus einem der anderen Räume glaubte Gerárd stimmen gehört zu haben und nachdem er durch seine Magie eine Ablenkung schuf, gelang es ihm in einem der anderen Lagerräume einzudringen und dort fand er, gefesselt und sehr erschöpft, gut zwei dutzend Flüchtlinge die offenkundig aus Fearûn stammten. Eine Übernahme des Schiffes wäre kaum möglich und die Gefangenen vom Schiff zu schmuggeln gleichermaßen nicht. Man beschloss abzuwarten bis man das erste Zwischenziel errichte, das Tigrisbecken. So vergingen noch einige Tage, bis Alea Möwen hörte und Land in Sicht ward.


Das Schiff hielt geradewegs auf eine Insel zu die nur wenige Kilometer vom Festland entfernt scheint. Eine große, breite Brücke aus Stein führt vom Festland zur Insel, geschützt durch Zäune, Türme und so manch Wachposten der auf der Brücke auf- und abläuft. Das Schiff legte an einem Kai an, Kisten wurden abgeladen und die Flüchtlinge aus Fearûn von einem waffenstarrenden Kommitee bereits empfangen und über einen großen Platz in diverse Gebäude geführt. Ein Offizier unterhielt sich nur kurz mit dem Kapitän, einige Blicke wurden ausgetauscht und als Caladrell kurzerhand vom Schiff sprang, wurden ihm einige Gewehrläufe unter die Nase gehalten. Es dauerte allerdings nicht lange ehe auch der Rest der Abenteurer auf den Kai geführt wurden. Die Seeleute mögen grob sein, doch als sie damals erfuhren, dass ihre Kundschaft aus Fearûn stammte erfuhr es der Kapitän noch im selben Abend und freute sich über einen weiteren Beutel mit Gold, der ihm eingebracht wurde.

In einem Büro wurden nur wenige Worte gewechselt doch genug um den Grundstein für eine intensive Feindschaft zu legen, denn das man sich erneut über den Weg laufen wird, dass war allen klar.


Zusammen mit einigen anderen Flüchtlingen wurden sie an eine Rampe geführt, die runter in des Talbecken der Insel führt. Sie schien wohl ursprünglich für Waren gedacht worden zu sein doch anstatt Kisten treten nun die Flüchtlinge aus Fearûn ihren Weg nach unten an – unfreiwillig. Als Amir jedoch die unwürdige Behandlung der Flüchtlinge sieht packt ihn die Wut und er reißt einen der Wachmänner mit nach unten und durchbohrt dessen Kehle mit seiner Klinge. Blut spritzt aus seinem Hals und befleckt den Boden; umstehende Flüchtlinge stürzen dazu und verunstalten die Leiche, nehmen Rache an ihren Peinigern.

Schnell wurde den Flüchtlingen bewusst, an was für einen Ort sie gelangt waren. Das tropische Klima, der lauschige Gras und der klare Himmel waren das Gegenteil dessen, was sich an Verzweiflung und Verwerflichkeit in der Insel eingefunden hatte. Unweit der Rampe standen bereits einige ungemütlich aussehende Gestalten, scheinbar nur darauf wartend über die Neuankömmlinge herzufallen und sie wie Frischfleisch zu zerfleddern. Nahrungsmittel sind rar, Gold konnte immer noch als Beschtung für die Wachposten brauchbar sein und Waffen, nun, davon kann man nie genug haben – Skrupel ist nur ein Hindernis, an einem Ort wie diesen. Ein Lichtblick stand gleichermaßen in der Nähe der Rampe und klärte sie in Zügen über diesen Ort und die Lage auf, sagte, er komme von einem der Lager im Süden. Die ersten Flüchtlinge wurden schon vor Monaten auf die Insel gebracht und schnell kamen erste Unstimmigkeit unter den Gefangenen auf, es bildeten sich Lager und Gemeinschaften die sich jedoch eher schlecht als recht verstanden. Amir half einem der anderen Flüchtlinge auf und man entschied sich gemeinsam als erstes gen Süden zu laufen und dort nach0 Unterschlupf zu suchen.

Im Lager der Südspitze machten sie Bekanntschaft mit Zaid Al-Mudschaheddin, einem weiteren Flüchtling aus Fearûn und einem Mitglied der Führung des Lagers.

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