Terra Incognita

Gefangenschaft

Ihre letzte Reise spülte die Abenteurer an einen Strand eines kleinen Eilandes. Tropisches Klima, Palmen und Sandstrand. Die Insel umfasst nur wenige Kilometer und ein Handelsdepot ist das einzige Fleckchen Zivilisation, ein paar Plantagen nicht weit entfernt. Um zu neuen Kräften zu gelangen ruhten sie etwas aus. Die Absteige in der Niederlassung machte zwar nicht viel her, aber Auswahl gab es ohnehin keine. Im Kai lag ein Schiff, scheinbar abreisebereit und die Reisenden beschlossen dort nach einer Überfahrt gen Festland zu suchen.

Noch am Abend vor ihrer Abfahrt erregte ein Stimmengewitter die Aufmerksamkeit von Amir. Im Schankraum fand er ein gutes dutzend an Seeleuten um einen hölzernen Kasten versammelt. Eine dumpfe, blecherne Stimme dröhnte aus dem Kasten und schien als Augenzeuge voller Furor und Aufregung über einen Wettkampf von einem entfernten Ort zu berichten. Es fiehl so mancher Name der Amir doch arg bekannt vorkam, auch wenn der Erzähler es wohl nicht recht auszusprechen vermochte. Die Rede war von “Tiefgewässer” und “Farân” – die Einsicht war nicht fern, dass scheinbar noch andere Überlebende aus Fearûn an die Strände gespült worden waren und in einer Art Arena gegeneinander aufgewiegelt werden. Die Seeleute hingegen verneinen dies bestimmt, denn jeder weiß, dass die Wettkämpfe völlig freiwillig sind und die Flüchtlinge aus Fearûn? Nun, nach ihrer Ankunft strömten sie zu hunderten, gar tausenden in die Städte und, da sie zumeist kein Gold und Nichts bei sich trugen, zog mit ihnen auch die Armut und Kriminalität in die Städte ein. Niemand hätte was gegen sie persönlich, aber manch einer arbeitet bereits genug und da kann man unmöglich auch noch diese Ausländer durchfüttern, geschweige denn dieses Elend mitansehen, dass sie verköpern. Amir holte noch manch anderen seiner Begleiter in den Schankraum die Neugierde war schnell geweckt, auch die der Seeleute als sie erfuhren, dass die Fremden selbst aus Fearûn stammen.

Nach einigen Schwierigkeiten beim Bestimmen des Preises, hieß der Kapitän die Abenteurer auf seinem Schiff wilkommen. Er stellte sich nicht vor, doch während der sechs-tägigen Reise hörten sie oft genug die Seeleute insgeheim über den ihn schimpfen, zumeist dann, wenn sie sich genug Mut angetrunken hatten um das Wort gegen ihn zu erheben. Kapitän Miguel Sanchez, diesen Namen hörten sie so manches mal fallen. Untergebracht waren sie in einem Abteil des Lagerraums, mit dem Rest der Mannschaft. Aus einem der anderen Räume glaubte Gerárd stimmen gehört zu haben und nachdem er durch seine Magie eine Ablenkung schuf, gelang es ihm in einem der anderen Lagerräume einzudringen und dort fand er, gefesselt und sehr erschöpft, gut zwei dutzend Flüchtlinge die offenkundig aus Fearûn stammten. Eine Übernahme des Schiffes wäre kaum möglich und die Gefangenen vom Schiff zu schmuggeln gleichermaßen nicht. Man beschloss abzuwarten bis man das erste Zwischenziel errichte, das Tigrisbecken. So vergingen noch einige Tage, bis Alea Möwen hörte und Land in Sicht ward.


Das Schiff hielt geradewegs auf eine Insel zu die nur wenige Kilometer vom Festland entfernt scheint. Eine große, breite Brücke aus Stein führt vom Festland zur Insel, geschützt durch Zäune, Türme und so manch Wachposten der auf der Brücke auf- und abläuft. Das Schiff legte an einem Kai an, Kisten wurden abgeladen und die Flüchtlinge aus Fearûn von einem waffenstarrenden Kommitee bereits empfangen und über einen großen Platz in diverse Gebäude geführt. Ein Offizier unterhielt sich nur kurz mit dem Kapitän, einige Blicke wurden ausgetauscht und als Caladrell kurzerhand vom Schiff sprang, wurden ihm einige Gewehrläufe unter die Nase gehalten. Es dauerte allerdings nicht lange ehe auch der Rest der Abenteurer auf den Kai geführt wurden. Die Seeleute mögen grob sein, doch als sie damals erfuhren, dass ihre Kundschaft aus Fearûn stammte erfuhr es der Kapitän noch im selben Abend und freute sich über einen weiteren Beutel mit Gold, der ihm eingebracht wurde.

In einem Büro wurden nur wenige Worte gewechselt doch genug um den Grundstein für eine intensive Feindschaft zu legen, denn das man sich erneut über den Weg laufen wird, dass war allen klar.


Zusammen mit einigen anderen Flüchtlingen wurden sie an eine Rampe geführt, die runter in des Talbecken der Insel führt. Sie schien wohl ursprünglich für Waren gedacht worden zu sein doch anstatt Kisten treten nun die Flüchtlinge aus Fearûn ihren Weg nach unten an – unfreiwillig. Als Amir jedoch die unwürdige Behandlung der Flüchtlinge sieht packt ihn die Wut und er reißt einen der Wachmänner mit nach unten und durchbohrt dessen Kehle mit seiner Klinge. Blut spritzt aus seinem Hals und befleckt den Boden; umstehende Flüchtlinge stürzen dazu und verunstalten die Leiche, nehmen Rache an ihren Peinigern.

Schnell wurde den Flüchtlingen bewusst, an was für einen Ort sie gelangt waren. Das tropische Klima, der lauschige Gras und der klare Himmel waren das Gegenteil dessen, was sich an Verzweiflung und Verwerflichkeit in der Insel eingefunden hatte. Unweit der Rampe standen bereits einige ungemütlich aussehende Gestalten, scheinbar nur darauf wartend über die Neuankömmlinge herzufallen und sie wie Frischfleisch zu zerfleddern. Nahrungsmittel sind rar, Gold konnte immer noch als Beschtung für die Wachposten brauchbar sein und Waffen, nun, davon kann man nie genug haben – Skrupel ist nur ein Hindernis, an einem Ort wie diesen. Ein Lichtblick stand gleichermaßen in der Nähe der Rampe und klärte sie in Zügen über diesen Ort und die Lage auf, sagte, er komme von einem der Lager im Süden. Die ersten Flüchtlinge wurden schon vor Monaten auf die Insel gebracht und schnell kamen erste Unstimmigkeit unter den Gefangenen auf, es bildeten sich Lager und Gemeinschaften die sich jedoch eher schlecht als recht verstanden. Amir half einem der anderen Flüchtlinge auf und man entschied sich gemeinsam als erstes gen Süden zu laufen und dort nach0 Unterschlupf zu suchen.

Im Lager der Südspitze machten sie Bekanntschaft mit Zaid Al-Mudschaheddin, einem weiteren Flüchtling aus Fearûn und einem Mitglied der Führung des Lagers.

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