Terra Incognita

Zerbrochene Ketten

Die Wunden schlossen sich, die Arme ausgebreitet, Wasserdampf, die heiße Sonne und das warme, blaue Nass. Der Tag schien so gut anzufangen. Kre’ga und seine Begleiter wussten jedenfalls die Geschenke der Undine sinnvoll zu nutzen. Es war aber doch abzusehen, dass der Tag so nicht bleiben würde, so friedlich und ruhig. Sie ließen den Abend verstreichen, legten sich zur Ruhe und gewiss war, dass der neue Tage neue Arbeit mit sich bringen würde. Nach und nach erwachten sie mit den ersten Sonnenstrahlen, man fand sich im Haupthaus ein, beriet sich. Zaid, als man nach ihm sah, war nach wie vor nicht bei Bewusstsein und es war kaum abzusehen ob er es jemals wieder sein würde. Baran legte schnell seine Ideen auf den Tisch, denn nach Nordwesten sollten sie gehen, so sein Vorhaben. So manche Beuete hatten sie bei den Einsiedlern um McAlister gelassen, vieles davon könnte nützlich sein. Gleichwohl sollten die Vorhaben der Dunkelelfen überprüft werden und überhaupt, bislang war noch niemand der Reisenden auch nur in die Nähe des Lagers im Westen gelangt – womöglich war es nun langsam an der Zeit. Kre’ga wollte von dem nichts wissen, hielt es für blanken Selbstmord auch nur in die Nähe zu gehen, denn wo Dunkelelfen lauern ist meist nicht wenig Ärger in Aussicht, mit den Patroullien über der Insel und sonst allerlei Halsabschneidern hinter jedem Gebüsch war der Gang gen Westen eine Todesfalle. Allerdings, half es alles nichts. Wollten sie erfahren was los war, so müssten sie das Risiko auf sich nehmen. Und so taten sie es auch.

Am See wurde Rast gemacht, die Sonne war kaum zu ertragen ohne das man die Wasserflaschen neu füllte. Am Ende des Sees, so meinten sie, Gestalten erkannt zu haben, Mündungsfeuer. Als sie doch näher kamen war nichts mehr zu erkennen, doch dass die Undine ihrerseits den Wachpatroullien Einhalt bieten wollten schien eine Vermutung zu sein. Zumindest eine angenehme, doch ob sie auch zutrifft? Man hielt sich jedenfalls am Waldrand, ließ die Nacht einbrechen und wollte erst zum anbrechenden Tage weiterziehen. Die Dunkelheit, bot sie auch Schutz, war doch gleichermaßen eine gefährliche Falle. Baran machte sich über derlei Abwägungen allerdings keinen Kopf, zog den Gürtel zurecht und stapfte erneut gen See, eine Stunde lang lief er hin und eine weitere zurück. Weshalb? Er tauchte ein in das Wasser. Das Wasser schien ihn zu durchströmen, seine Glieder zu durchfließen, ihn zu erfüllen und mit neuen Kräften auszustatten. Für einige Sekunden, fast eine halbe Minute, verweilte er so im Wasser als wäre es sein Element und er darin geboren. Als er wieder an das Ufer trat und am Waldesrand ankam fühlte er sich bereit für neue Taten. Kre’ga derweil nutzte die ruhigen Minuten und Stunden um gleichsam seinen Kopf frisch zu halten und eignete sich weiteres Wissen an. Auf den Mond folgte die Sonne und auch eine böse Ahnung. Kre’ga wusste, gleichsam auch Rahel, was es mit dem Licht vom Monde auf sich haben mochte. Die Dunkelelfen, so vermuteten sie, warten oftmals auf den Vollmond um in dessen Schein ihre Rituale zu vollziehen. Sie schauten gen Himmel und sahen wie die Sichel nach und nach wich und eine Kugel an die Stelle trat – Vollmond war wenige Tage entfernt, was der auch immer bringen mochte.

Am Tage, jedenfalls, zogen sie weiter gen Westen und folgten dem nunmehr schwachen Strahl vom Himmel. Mitten im nirgendwo, so schien es, verblasste er. Nichts war zu sehen, weder im Guten noch im Schlechten. Niemand traute der Sache, doch als man Baran sah wie er die Luft durchbohrte und schließlich mit einen Dolch selbst den Boden durchstoß war die Illusion gelüftet und eine Passage unter die Erde tat sich auf. Sie gingen hinein, bis auf Kre’ga – seine Abenteuerlust reichte nicht aus um sich fröhlich in jedwede offenkundige Todesfalle zu begegen. Fallen spickten auch den Weg der Reisenden als sie ihren Abstieg begangen. Schwüle und feuchte Luft schlug ihnen entgegen und ein Gestank wie von geronnen und frischem Blut gleichermaßen der nur stärker wurde, je weiter sie abstiegen. So manche Falle war überwunden und erneut erwiesen sich die Gaben der Undine als hilfreich. Auch Kre’ga trat zu guter letzt doch den Abstieg an, immerhin konnte er sie kaum alleine lassen – auch wenn er das vielleicht gerne getan hätte. Eine letzte Senke führte sie in das Innere der Höhle. Ein riesiger Raum, gleich einen Kuppelbau geschlagen in Stein offenbarte sich ihnen. Inmitten ein Ungetüm wie sie es noch nie sahen. Der Unterleib gleich einer gigantischen Spinne doch der Oberkörper noch humanoid, zum Teil. Schaute man näher hin so sah man wie sich dicke Borstenhaare aus dem letzten Rest an humanoiden Wesen nach Außen drückten, die Arme, die Brüste und Schultern waren mit dicken Haar überzogen doch unverkennbar war, dass es sich einst um eine Dunkelelfe gehandelt hatte. Sie wurde Zeuge wie die Facetten der Dunkelelfen wichen, das Augenlicht wurde kühler und dem Verstand wich nach und nach das Animalische. Sie stieß laute Zischgeräusche aus, rieb sich ihre sechs Beine doch als die Reisenden wagemutig in die Höhle stürmten wurden sie anfangs nicht bemerkt. Um das Spinnenweib waren versammelt auf vier Podesten Gefangene der Elfen, die Arme und Beine verbunden und geopfert werden sollte sie nach und nach in einem blutigen Ritual. Mit langen, feinen Klingen durchbohrten Adepten der Drow ihre Leiber und opferten sie der Göttin Lloth, das Blut ihrer schmierigen Verwandten sollte der Verwandlung dienen.

Spätestens als Amir mit seiner Klinge die Kehle des ersten Adepten durchtrenne und dieser leblos zu Boden fiehl waren sie aufgetan. Das Spinnenweib drehte sich und man hörte mit lauten Stapfen wie ihre sechs massiven Gliedmaße sie zu den Reisenden trieben, mit animalischen Blick erfasste sie Baran und schwere Fangzähne durchbissen ihm die Schulter, versuchten ihm das Gift der Spinne einzuflösen. Der Kampf war damit eröffnet, Baran spring auf den großen Leib, zog sich an den borstigen Haaren empor und schlug unentwegt auf die Bestie ein. Amir und Rahel ihrerseits rannten in Eile durch den Raum, schlugen einen Adepten nach dem anderen nieder und wenn auch nicht alle, so konnten sie doch die meisten Elfen vor dem Tod bewahren und das Ritual unterbrechen. Barans Äxte und Kre’gas Bomben hielten derweil die Hohepriesterin in Schach, fügten ihre herbe Wunden zu und es dauerte nicht lange bis auf Amir und Rahel sich dem Kampf anschlossen. Gemeinsam schlug man unentwegt ein, erschöpfte und nach und nach rang man das Spinnenweib auch zu Boden. Im Eifer des Gefechts muss es gewesen sein als Kre’ga seine übliche Aufmerksamkeit sinken ließ und er ohne die nötige Obdacht seine Reagenzien verband, sie aber mit einem Knall inmitten seiner Finger entzüdeten und explodierten. Qualmend sank er zu Boden und blieb der liegen bis Amir ihm erneut auf die Beine half. Wieder vereint führten sie den Kampf weiter und trotz kurzzeitiger Hirnausfälle in denen Baran und Amir auf sich selbst einschlugen, wussten sie die Bestie zu legen. Die Spinne wackelte bereits als Baran mit seinen Äxten emporgehalten unter dem großen Hinterleib der Hohenpriesterin entlang rannte und eine Schneise durchzog, sodass Blut, Sekret und Innereien sich über den Boden ergossen und sie mit einem letzten Kreischen aus dem Leben trat. Als Tropähe nahm Baran wie selbstverständlich den Kopf an sich, als sie sahen wie sich der Leib der Spinne wieder verformte und erneut fast humanoide Züge annahm – sie hatten den Leichnam einer Chimäre vor sich liegen.

Mit dem Tot der Hohenpriesterin, so sahen sie, tat sich am Ende der Höhle ein Gang auf. Ein Zauber verblasste, die Illusion wich und sie traten in die einstigen Gemächer der Priesterin. Ein Bett, Schmuck, ein Becken und allerlei Papiere waren dort. Schauten sie in das Becken so war ein Halbling zu sehen, ein Halbling der schien als wäre er aus einem tiefen Schlaf erwacht oder gerade erst wieder zu Sinnen gekommen. Etwas genebelt und irritiert wirkte er, als sie ihn durch die klare Flüssigkeit im Becken sahen, doch dann zornig, wütend und rasend. Er riss allen Schmuck von sich, von denen er allerlei hatte, die Ringe, Ketten, Ornamente und warf es zu Boden. Kre’ga, derweil, studierte die Schmuckgegenstände auf dem Tisch und erkannte ihre magische Natur. Ein erneuter Blick in das Becken und der Halbling schlug unentwegt auf einen der Dunkelelfen ein. Zu Boden gedrückt wurde dieser doch der Halbling schlug und und schlug ein bis er mit einem Dolch die Kehle durchtrennte. Wenige Schritte trat er als sich die Szene wiederholte. Die Reisenden wandten sich ab, erfagten Auskunft bei den verbliebenden Elfen und, als Kre’ga sich über die arkane Fähigkeiten des Schmucks im Klaren wurde, schloss sich für sie der Kreis.

Die Ketten waren gesprengt, so schien es. Der Halbling trug den Namen Miro. Er, so erfuhren sie, ist der wahre Herr des Lagers, die Dunkelelfen ihrerseits eine Minderheit. Das Wasserbecken und der Schmuck, angefertigt um den Geist zu kontrollieren, fügten sich zusammen. Vielleicht war dies eine Wende in Hinblick auf den Westen der Insel.

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Conhail

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