Terra Incognita

Widerstand

Reihe um Reihe formierten sie sich vor der Pallisade aus Holz, die Waffen noch nicht erhoben denn alleine ihre pure Masse schien Eindruck genug auslösen zu sollen. Das Stapfen der Stiefel war aus weiter Ferne zu hören, das Meer aus Uniformen kaum zu übersehen und mit einer Überheblichkeit wie man sie von Gutsherren gewohnt sein mochte stolzierten sie in das Lager, nachdem ihnen geöffnet wurde. Eine gespielte Langeweile wurde aufgesetzt und man bat darum doch ohne zu großes Aufsehen die Waffen auszuhändigen doch, nun, die Antwort war wie zu erwarten negativ. Die Hand wurde erhoben, ein Finger ausgestreckt und sodann setzte sich die erste Kolonne in Bewegung und maschierte in das Lager ein. Die Gewehre wurde geladen und angelegt, Speere demonstrativ nach Außen gerichtet und erneut wiederholte der Offizier seine bitte. Die Stimmung wurde immer angeheizter, fast explosiv und als er noch um abschließende Worte bat ehe seine Männer mit ihrem Werk begingen würden, flog quasi ein Streichholz aus der Menge der Flüchtlinge und tippe vor dem Offizier auf den Boden. Er würde nicht mehr bemerken, dass er auf einem einzigen Pulverfass aus Sprengstoff stand, doch der Knall versetzte einem jeden einen ohrenbetäuben Schlag. Eine Druckwelle aus Hitze, Blut und Gedärme sprengte sich seine Bahn nach Außen, heiße Luft schlug ins Gesicht.

Nach gefühlten Stunden verzog sich der Rauch. Tatsächlich waren es Sekunden. Die Sicht wurde klarer doch noch immer dröhnte ein lautes Fiepen im Ohr, der Schädel dröhnte und noch einige Sekunden später fiehl das Rot vom Himmel. Verfetzte Uniformen, Finger und Beine und Blut über Blut wie in einem einzigen Regenguss entludt sich über die Anwesenden. Binnen weniger Sekunden waren sie rot getränkt als hätten sie in einem Tümpel des warmen Rots gebadet als die zweite Kolonne in das Lager drängte, Kugel in den Boden einschlugen. Aus dem Augenwinkel, allerdings, sah man, dass nicht jeder der verbliebenden diesen Mumm besaß, denn einige der Soldaten suchten ihr Heil in der Flucht. Zurecht, denn nach der ersten Explosion hörte man bald darauf erneute Explosionen in den Reihen. Leiser, kleiner, doch nicht weniger verheerend. Rahel stürmte in die Menge und schlug die ersten zu Boden, Amir folgte ihm auf der Stelle während Baran die Pallisade empor eilte und in einem waghalsigen Sprung von hoch oben einen verduzten Wachmann in den Boden rammte und von dort an die hinteren Reihen aufzurollen begann. Kre’ga seinerseits sorgte dafür, dass das Fiepen in den Ohren nicht zum verstummen kann, ein Sprengsatz nach dem nächsten sprengte Erdreich und neues Leichenmaterial in die Luft. Der Kampf sollte nur noch wenige Sekunden wüten als Rahel von einem Speerhieb durchbohrt wurde. Die Wunde war tief als eine Fratze mit einem zweiten Ruck den Speer aus den durchstoßenen Körper zog. Rahel, allerdings, würde dies nicht mehr bemerken. Unlängst waren die Augen geschlossen und er sank regungslos zu Boden. Gestorben war er nicht, doch dem Tod ein weiteres mal knapp entkommen. Amir stürmte sofort an seine Seite, ein erster Schwerthieb durchbohrte die Schulter des Angreifers und ein zweiter trennte ihm vom Leben. Zugleich sah er wie weitere Angreifer versuchten zu Kre’ga aufzuschließen, mittlerweile erkannten sie den Zusammenhang zwischen den umherfliegenden Tinkturen und den darauffolgenden Blutbädern. Sie sollten ihn allerdings nie erreichen, denn Amir kam ihnen zuvor. Die Äxte schlugen durch die Luft und durchtrennten Sehnen wie ein Säge im Holzwerk Bäume schneidet. Wie in einem Rausch durchpflügte Baran die letzte Reihe die noch so standhaft darstand wie ein letztes Bollwerk aus Organisation, Ausbildung und Gehorsam. Doch Baran brachte nicht nur Blut und Schmerzen sondern sähte Anarchie in ihren Herzen als er sie Schlag um Schlag dezimierte bis die ganze Truppe zuletzt selbst im Chaos versank, die Flucht suchte oder verunsichert wild Kugeln in die Luft schoss.

Der Rest ist Geschichte. Der Blutregen soll nach Stunden angehalten haben, sagt man sich, selbst als die Toten schon längst zur Ruhe gebettet waren, die Löcher im Erdreich aufgefüllt waren und die Reisenden unlängst weitergezogen waren. Selbst dann noch, sagte man, soll das warme Rot vom Himmel gefallen sein und jeder Tropfen mit einem Knall zu Boden gefallen.

Die Reisenden konnten dies allerdings nicht bestätigen denn sie waren schon längst weitergezogen, nach Westen, wo Zaid und seine Männer auszuharren versuchten. Die war einer solcher Nächte die nicht zu enden schienen. Die Werkstätte, die am Berge, hing still und scheinbar in dieser wolkenlosen Nacht. Von Außen war kein Laut zu hören und wäre nicht das künstliche Licht zu sehen gewesen, so hätte man glauben können sie wäre unlängst verlassen gewesen. Mit dem ersten Schritt jedoch, änderte sich der Eindruck. Ein starker Gestank aus Blut stieg in die Nase auf den Vorraum folgte der Schacht, doch er schien seichter als bei ihrem letzten Besuch. Zu Metern schien es, hätten sich die Leichen gestapelt und ihn aufgefüllt. Holzplanken lagen über der Grube doch sie war rutschig und vollgezogen vom Rot und nunmehr hörten die Reisenden auch aus der Ferne das Klirren von Metall. Sie stürmten hinauf, rannten durch die weißen Gänge aus Marmor, der Boden war kaum noch zu sehen, leblose Körper bedeckten ihn und bei einem Blick in einen Raum sahen sie Zweie in die Ecke gedrängt. Amir, Kre’ga, Rahel und Baran rannten zur Hilfe, die Angreifer wurden abgewehrt, es waren Halblinge, Orks und gleichsam Menschen unter ihnen, von den Dunkelelfen war bislang keine Spur. Ob es tatsächlich ein Lager der Dunkelelfen ist? Nach wenigen Augenblick kehrte Ruhe ein, doch die zwei Opfer, Elfen waren es, lebten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Mit einigen dutzend Milizionären aus dem Südlager im Rücken trugen sie den Kampf weiter in die Anlage hinein. Sie stürmten zum Plattform am Hang des Berges und sahen dort, vermuteten jedenfalls, einen Anführer der Angriffe, einen vom Volk der Dunkelelfen. Erneut waren sie glohreich als sie unter vielem Blutvergießen erneut Stille einkehren ließen.

Der Kampf war vorbei. Zumindest für diesen Tag und diese Nacht. Die Opfer schienen sich, dank ihres beherzten Eingreifens, im Rahmen gehalten zu haben. An die dreizig Opfer zählte man wohl. Und Zaid? Sie sahen ihn am Boden liegen, schwer verwundet doch noch am atmen. Eine Trage wurde gebaut und seine Rückkehr gen Süden in die Wege geleitet. Bis er jedoch wieder zu Kräften kam, das war sicher, würde es noch einige Tage dauern, mindestens. In den frühen Morgenstunden erreichte man somit den Süden, kam zur Ruhe, leckte die Wunden und ahnte, dass dies nicht die letzte offene Konfrontation war. Auf ihrer Rückkehr sahen sie noch einen Strahl aus Licht gen Mond leuchten. Oder kam er vom Mond herab? Die Dunkelelfen planten etwas und nicht nur das, sie haben bereits mit der Ausführung begonnen. Zaid mochte gerettet sein, auch jene die mit ihm am Berghang gekämpft haben doch hatten die Reisenden damit die klügste Entscheidung getroffen oder damit nicht einen anderen Kriegsschauplatz vernachlässigt, dem Feind Zeit gelassen sich für einen viel ärgeren Schlag zu rüsten? Man ahnte bisher nichts. Der Krieg gegen den Westen war ausgebrochen, auch die Wachen der Insel würden den Widerstand nicht dulden und der Süden lag zwischen beiden Fronten. Doch – ! Was weiteres sich ereignen mag, wird sich erst zeigen müssen.

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Conhail

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