Terra Incognita

Unten am See

Die Sonne schob sich allmählich hinüber, droben über den Hang der Klippen und gemeinsam mit der Sonne begrüßte Baran das Südlager. Die Nacht war er stur durchgelaufen, gerastet wurde nicht, er wollte endlich zurückkehren an den Ort der noch am ehesten einem Unterschlupf glich, ein Rückzugsort. So dauerte es nicht lange ehe er ins Reich der Träume entglitt.

Amir, Kre’ga, Rahel und wie sie alle heißen mochten machten sich derweil erneut ans Tagewerk. Es galt Brunnen ausheben zu lassen, der Südwall sollte einen weiteren Eingang erhalten, Männer und Frauen ihren Fähigkeiten entsprechend zugeteilt werden, von Kre’ga, derweil, wurde die alchemische Forschung auf einen neuen Stand erhoben, Alkohol, Dünger und was sonst alles gut für Kehle, Boden oder Explosionen schien wurde eifrig erforscht. Der Tag verstrich, man hielt sich hinter den Pallisaden aus. Nun, fast alle zumindest, denn Kre’ga wagte doch seine Füße gen Westen zu strecken, den Wald nach neuen Zutaten zu durchkämmen doch abseits ein paar stümperhafte Großkotze und einer handvoll Kräuter verlief seine Reise doch ereignislos. Blauen Nebel – oder war es Dunst? – sah doch doch als er das Lager verließ. Ein dichter Schleier, bläulich schimmernd, lag über den See doch worum es sich handelte? Man musste raten oder es mit den eigenen Augen sehen, aus der Nähe. Er tat dies seinen Begleitern kund und am nächsten Tag, dann, würde man auch gemeinsam gen See ziehen – Drakbron, erfuhren sie von einigen Wasserträgern, hielt sich bereits dort auf, doch weshalb wusste ihnen keiner zu berichten.

Die Neugierde, jedenfalls, trieb die Reisenden und nach wenigen Stunden erreichten sie unter dem Brennen der Sonne erneut die Ufer. Der Nebel war dicht, blau und kaum zu durchblicken bis einige Gestalten, erst Schemen, dann den Dunst verließen und auf sie zutraten – auf der Wasseroberfläche. Drakbron stand dort, auch Aika in Gefolgschaft Weiterer seines Volkes und eindeutig war, dass man sie heranwinkte. Zuerst zaghaft wurde ein Schritt gen Wasser getan doch anstatt einzusinken stand man fest auf dem See als wäre er gleich dem Boden. Sie wurden auf die Mitte des Sees geführt, links und rechts erblickten sie weite Reihen im Nebel, schemenhafte Konturen erblickten sie. Wohl, so dachten sie, weitere Geister des Sees, doch wieviele es seien mochte? Viele, das sah man wohl. Sie wurden, jedenfalls, in die Mitte des Sees geführt, nahmen Platz in einem Kreis der Undine. Sie saßen auf dem See, die Beine mal verschränkt, mal liegend, lächelten, nicht verschmitzt, doch amüsiert, gelassen – ? Irgendwas in der Art war es wohl. Geister des Sees traten auf die Reisenden zu und baten ihnen etwas dar in den Händen, schimmernde Kugel aus, nun, Dunst und Nebel. Blickte Amir, Rahel, Baran und Kre’ga jedoch auf sie und durchfuhren den Schleier mit ihrem Blick so sahen sie und verstanden sie was wahrhaftig dahinter lag, nämlich ein Dank aus tiefsten Herzen. “Danke, danket euch, wir danken auch, danke …” hörten sie wie geisterhafte Stimmen in ihre Ohren sprechen. Kein Mundwinkel ihrer Gesellschaft bewegte sich doch der Dank verklung nicht in ihren Ohren. Man bot ihnen ihren Segen dar, eine Gutmachung, ein Versprechen – einen Tropfen der Essenz des Meeres und der See, mit denen die Undine seit alten Zeiten zusammen lebten.

Die Essenz der See trug man ihnen zu. Meeresrauschen, Eisregen, Frostreif, Ebbe, Flut und wie sie heißen mochten, gingen in den Besitz der Reisenden über. Ein Objekt, einen Fokus, sollten sie reichen, auf dem nunmehr der Segen liegen sollte. Die Reisenden taten wie ihnen geheißt und so wurde es getan. Die Geister der See und des Meeres erzählten ihre Geschichte, ihre Ankunft auf der Insel und dem See bis zum ersten Erscheingen der Menschen, dem Aether der die Insel durchdrang, sie in den Schlaf zwang und nun, da er nunmehr schlief, sie erwachen ließ. Für jene im Osten, Westen und jede Bedrohung aus allen vier Richtungen des Himmels, boten die Undine ihre Hilfe an – so glaubte Amir, zumindest, sie verstanden zu haben, der Rest jedoch, schwieg und enthielt sich seiner Meinung. Man kehrte zurück gen Süden um sich erneut in die Arbeit zu stürzen, Baran vor allem wollte nunmehr endlich eine eigene Miliz aufstellen. Zaid hatte die meisten der wehrfähigen Männer gen Westen geführt doch das Lager benötigte Schütz gegen Feinde von Außen doch vor allem auch aus dem Inneren.

Freiwillige fanden sich, kaum kampferprobt, soviel war klar, bis auf Zweien welche aus der Masse herausstachen. Zwei Männer wie sie kaum verschiedener seien konnte. Der eine verschlagen doch entschieden und der andere höheren Alters, besonnen und ruhig. Beide, entschied Baran, sollten sich mit ihm treffen, sie sollten die Führung der neuen Miliz übernehmen. Schnell zeigte sich jedoch, dass eine Zusammenarbeit kaum möglich schien. Der Jüngere von beiden verweigerte eine Zusammenarbeit und wollte die Sicherheit auf seine Art durchsetzen mit seinen Mitteln – Baran erschien die Situation immer eigentümlicher und nachdem das Gespräch eskalierte griffen der Jüngere und seine Gefolgschaft zu den Waffen, ein Kampf, eher eine Schlägerei brach aus auf dem Vorplatz doch wusste sich Baran und seine Freunde sich zu nehmen was sie für ihren Besitz erachteten, alle Waffen welche nämlich dem Südlager zustanden. Man ließ den Jüngeren ziehen und war sich sicher, dass dies nicht die letzte Begegnung gewesen sein mochte.

Es war am frühen Abend als Zaid’s Bote das Südlager erreichte und neue Bote brachte. Offenkundig wurden auf der Insel Aushänge verteilt. Nach dem Anschlag auf die Werkstätte im Norden würden die Wachen nunmehr ihr Recht durchsetzen und alle Flüchtlinge entwaffnen, baten darum, friedvoll die Waffen und alle waffenfähigen Materialien auszuhändigen und die Täter des Anschlages sich im Osten einzufinden. Mehr als ein schallendes Lachen jedoch, entfuhr niemanden der Reisenden als sie dies zuerst hörten. Ein Ultimatum wurde gesetzt, dass, sollte sich niemand einfinden, Wachmannschaften die Insel durchkämmen würden um jene Schuldigen zu finden. Was das genau bedeuten würde? Nun, das war abzusehen. Gleichwohl, allerdings, befand sich auch Zaid in schlechterer Verfassung. Die Scharen aus dem Westen waren drauf und dran die Werkstätte am Berghang zu überfallen um Zaid und sein Gefolge von dort zu vertreiben. Eine Flucht bestand nicht, bedeutete es doch diesen wichtigen Punkt zu verlieren doch ob Zaid ohne jedwede Hilfe bestehen könnte? Weiterhin auch schienen die Dunkelelfen etwas größeres zu planen, denn immer mehr wurden von ihnen gesehen wie sie gen Norden, nahe des Waldrandes, zogen um dort wohl in einer verteckten Höhle etwas vorzubereiten, ein Ritual oder ähnliches. Jedenfalls zogen sie zu scharen Gefangene mit sich, zumeist Elfen, und wozu diese dienten wagte man nicht zu erahnen.

Die Reisenden, nunmehr Herren des Südlagers, standen vor der Entscheidung. Wie sollten sie mit den Wachen aus dem Osten umgehen, ihre Waffen aushändigen, verstecken oder gar sich wehren? Doch, sollten sie bleiben, was geschehe mit Zaid und seinem Gefolge in der Zwischenzeit wo der Kampf tobte oder wäre es nicht dringender den Machenschaften der Dunkelelfen nachzuspüren denn, sollten diese ein Ritual vollziehen und vollenden können, mochte dies nicht vielleicht größere Gefahr für alle bedeuten? Die Gruppe hatte sich zu entscheiden, und sie entschied.

Sie würden bleiben, jedweden Feind des Südens zurückschlagen und Zaid zu Hilfe eilen. Mag man hoffen, dass sie damit eine kluge Entscheidung trafen.

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Conhail

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