Terra Incognita

Gorillas im Nebel

Die größte Gefahr für Baran, Amir und weitere Gefährten war vorerst abgewehrt. Die Krankheit verlor nach und nach an Kraft, die Wunden schlossen sich, Körper und Geist genesten. Man zog blieb die nächsten Tage weiterhin in den Wäldern versteckt. Die Strapazen der letzten Tagen hinterließen ihre Spuren und nun, da man nun wieder Zeit hatte neue Pläne zu schmieden, beschloss man vorerst einige Tage in Ruhe und Abgeschiedenheit jedes Ärgers zu bleiben. Man griff zu den Büchern um nun endlich, in Ruhe, Wissen über jenen Ort anzueignen, der nunmehr ihre Heimat war – vorerst, jedenfalls. Seit ihrer Ankunft in dieser neuen Welt waren sie stets in Eile, Hektik und durchgehend unterwegs, gönnten sich selten Ruhe und nahmen sich noch viel weniger die Zeit in Erfahrung zu bringen wo eigentlich hier ist. Nun hatten sie die Zeit, und man machte sich eilig daran die größten Wissenslücken zu stopfen.

Rahel und Baran indes zog es weiterhin in die Wildnis. Baran versuchte sich am Handwerk doch, nun, es war nicht sein Tag. Er griff eine der Feuerwaffen aus den erbeuteten Kisten und versuchte mit aller Kraft sie irgendwie an seine treuen Äxte anzubringen, doch als er dann schon die Schaniere knirschen hörte war es ohnehin schon zu spät: er hatte eine Hand voll Schrott in der Hand und die Erfahrung gewonnen, dass er das nächste mal doch vielleicht mit ein paar weiteren Händen sich an diese komplizierte Arbeit macht. Indes zogen er und Rahel los um das zu tun, wovon beide etwas verstanden: anderen Lebewesen ohne erkenntlichen Grund aber dafür mit viel Wumms volles Pfund aufs Maul zu geben – und dieses Wagnis knapp zu überleben. So zogen sie los ins Unterholz und stießen nach wenigen Stunden auf erste Lebenszeichnen. Sie hörten ein Schnaufen. Ein tiefes, dumpfes Schnaufen und unsicher ob sie nun zuschlagen sollten oder nicht doch eher Reißausnahmen sollten, stürmten sie los und standen urplötzlich vor einem riesigen Gorilla. Mindestens einige hundert Tonnen schwer, schlugen die großen Pranken in ihre Richtung und schon nach den ersten Schlägen die Rahel einsteckte war absehbar, dass sie diese Nacht vor Erschöpfung zusammensacken werden – wenn sie die Nacht überhaupt noch sehen. Man wechselte Schläge aus doch ging am Ende knapp als Sieger hervor. Stolz wie eh und je griff Baran Dol das Untier und schliff es voller Stolz zurück ins Lager. Freundlicherweise hinterließen sie eine gut erkennbare Blutpur für den Fall, dass sie am nächsten Tag nochmal hierher zurückkehren wollen!

Amir indes war losgezogen um seine Schwester aufzusuchen. Ihre Krankheit war arg gewesen doch das Heilmittel würde ihr gewiss helfen. So zog er los und als er ankam nahm seine Schwester das Mittel voller Freude entgegen. Sie sah übel aus und sehr erschöpft doch die beruhigenden Worte spendeten ihr Trost und Gewissheit, dass sie in wenigen Tagen wieder ganz die Alte sei. Amir blieb bis zur Nacht im Lager, tat dies und jenes und machte sie wie stets nützlich und fröhnte nicht der Mühseligkeit.

[…]

Zur Nacht, als alle sich erneut im Lager zusammenfanden und, zur Baran’s Verdruss, wenig begeistert waren von seiner Trophäe, den Gestank erwähne ich erst gar nicht, legten sie sich so dann auch alle zur Ruhe. Die Ruhe jedoch, währte nicht lange. Mitten in der Nacht hörten sie ein schrilles Geräusch – jemand oder etwas hatte sich dem Lager genähert! Was es war sahen sie nicht, doch eine Vermutung lag nahe: eine Blutlache doch den tiefsten Dschungel zu ziehen erscheint in der Rückschau nicht mehr ratsam. Manche Erfahrungen macht man eben doch lieber selber anstatt sie in Büchern anzulesen.

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Conhail

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