Terra Incognita

Aqua Vitae

Die Hoffnung? Nun, die Hoffnung, doch endlich zu erfahren was denn eigentlich sich hier ereignet, ob diese Hoffnung erfüllt wurde – womöglich. Zumindest aber, wurde sie nicht gänzlich enttäuscht, denn die Abenteurer fanden sich wieder in einer kleinen Gemeinschaft von Einsiedlern. Keine Asketen, das gewiss nicht, doch wollte man von den Geschehnissen auf der Insel nichts wissen, sich in die Kleinkriege nicht einbinden lassen und, nun, eben leben. Es wurde jedoch schnell klar, dass die erhoffte Unterstützung hier nicht zu finden sei, womöglich ja nirgends auf der Insel! Der Tatendrang der Einsiedler? Sprechen wir nicht darüber. Ihre Möglichkeiten? Gewiss, irgendwelche werden sie haben. Ihr Wissen? Darum stand es doch etwas besser, denn einer unter Ihnen, eine Gestalt von sonderbaren Erscheinen, lebte wohl länger an diesem Ort als jeder andere Anwesende, lebte dort schon, noch lange bevor diese Insel zu einem Gefängnis verdorben wurde.

Variel war beim Anblick klar, dass diese Gestalt nicht ein Wesen von dieser Welt sei. Nun, das womöglich schon, doch die Vorfahren, Elemente und Geister des Wassers, zeigen auch noch nach Generationen ihre Spuren. Die Haut leichenblass und fahl, das Haar ein langes dunkelblau und die Augen klar wie die See – und stets ein ewiggrinsendes Lächeln, doch ein Wort würde er nie an sie richten. Ein Undine, ein Wassergeist. Der Anführer – kann man ihn tatsächlich einen Anführer nennen? – war ein älterer Herr, das Gesicht dunkel und eingefallen, hoffnungslos und so waren auch seine Worte. Mit dem Verlust seiner Heimat in Fearûn verließ ihn auch jede Hoffnung, seine Familie, Freunde und Geliebte – tot, einzig er hat überlebt. Was für manch einen wie Glück, gar Schicksal wirken mag, ist für ihn eine Last, eben jene des Überlebenden. Durch Tatendrang und Euphorie wusste er nicht zu bestechen, doch zumindest gestand er es den Reisenden zu hier ihre Zelte aufzuschlagen, einzig allein sollten sie niemanden in Schwierigkeiten bringen und vor allem, niemanden Töten oder arges Leid zufügen sollten sie hier weiterhin erwünscht sein. Zuviele Menschen sind gestorben – Gute wie Schlechte – sodass das gegenseitige Morden doch irgendwann mal enden muss. So zumindest der ältere Herr, ein Wappen der Stadtwache aus Tiefwasser zierte seine Brust. Reine Nostalgie, wahrscheinlich.

Jedenfalls kam es so, dass die Abenteurer erfuhren, dass regelmäßige Karawanen ihren Weg gen Norden finden um das Lager mit Nachschub zu versorgen. Sollten sie eine Lektion gelernt haben dann die, dass das Konzept von Besitz und Eigentum schnell zu einem bloßen Hindernis wird, wenn es darum geht zu Überleben und ein Ziel zu erreichen. Gemeinsam mit den Einsiedlern beschloss der nächsten Karawane aufzulaufern um dort Güter, doch womöglich auch Informationen, zu erlangen. Die Prämisse war allerdings festgezurrt: keiner soll vorsätzlich zu Schaden kommen! Die Abenteurer, zuerst verdutzt über dieses scheinbare Mitgefühl mit denen die doch offenkundig ihre aller Feinde waren, änderte wenig an der Überzeugtheit der Einsiedler. So einigte man sich und es geschah, dass man aufbrauch um den Hinterhalt zu legen, der ihnen allen hoffentlich alle Mühe wert sein soll.

Die Falle wurde geplant, gelegt und es dauerte nur noch ehe sie ausgeführt werden sollte. Geduld war notwendig in solch einer Situation, doch diese besaß scheinbar jene – Notwendigkeit macht Tugendhaft, zumindest kurzzeitig. Immer näher zogen nunmehr zwei Karren, von Pferden gezogen, und von weit über einem dutzenden Männern wohl bewacht. Ein lautes Knallen, Rauch und dichter Nebel! Noch ehe sie wussten wie ihnen geschah, geschweige denn zu wissen, WAS geschah, fanden sie sich in einem einzigen Chaos wieder, dass sie nicht zu kontrollieren wussten. Den einen brannte gleißendes Licht in den Augen und raubte ihnen die sicht, die anderen taub vom Lärm stießen im dichten Nebel gegen jene die, ergriffen von unglaublichen Krämpfen, ihren Mageninhalt auf Umwelt und Genossen gleichermaßen ergossen. In diesem Wirrwarr als Verwirrung, Kotze, Chaos und Magensaft rannten die Räuber zielsicher auf die Wagen zu, man wehrte die wenigen wehrhaften Wachen ab und, während die einen nicht einmal ihren Magen unter Kontrolle hatten, waren die Pferde hingegen gebändigt und die Abenteurer flohen so schnell wie sie zuschlugen. Kaum ein Schuss gefallen und außer wenigen halbherzigen Schlagabtäuschen war das einzige, was an diesen Überfall erinnerte, ein leichter Nebel in der Luft und Erbrochenes am Boden. Gut, und Reifenspuren welche quer über die weite Flur ragten.

Am Einsiedlerlager angekommen riss man schnell alles an Gut und Wert an sich, verstaute es auf dem Wagen und zog weiter in Richtung Wälder in der Hoffnung, dort vorerst einen sicheren Hafen zu finden. Die Wagen wurden entsorgt, die Pferde hingegen nicht – jedenfalls noch nicht. Erschöpft und ausgelagt von den Strapazen zogen sich alle einstimmig, nachdem ein Fass Bier angeschlagen und ein teurer Tropfen Fusel geleert war, alle zurück; man warf sich auf den Boden, in eine Hängematte oder wo es einem sonst beliebte. Für diese Nacht waren sie Sieger.

Und nicht nur Sieger, denn was wichtiger war alls jede andere Beute, war ihr Leben. Wie erhofft befanden sich auf dem Wagen wenige, doch genügend, Ampullen mit einem Serum welches die krankmachende Wirkung des Aethers aufheben kann. Manch einer der Abenteurer hatte damit den Schlüssel zum Leben erhalten und für Amir war klar, dass er damit einem sehr wichtigen Menschen retten kann.

Comments

Conhail

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.